Politik : Einer, der drängt

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In endlosen Gremiensitzungen fällt ihm auf, dass er anders ist. Wenn Wolfgang Clement etwa Gerhard Schröder sieht oder früher Johannes Rau, spürt er den Unterschied: die haben ihr ganzes Leben Parteipolitik gemacht. Sie haben sich über die SPD-Ortsvereine hoch gearbeitet. Er ist zwar auch früh in die SPD eingetreten, arbeitete nach seinem Jura Studium aber lange Jahre als Politikchef bei der Westfälischen Rundschau. Willy Brandt holte ihn als Sprecher für die SPD nach Bonn in die Baracke, 1987 begleitete er Johannes Rau als Wahlkampfmanager auf seinem erfolglosen Weg ins Kanzleramt und zerstritt sich mit Brandt. Konsequent stieg er aus, ohne zu wissen, was aus ihm wird.

Danach wurde er Chefredakteur der Hamburger Morgenpost. Johannes Rau machte ihn 1989 zum Chef der Staatskanzlei, als dessen rechte Hand übernahm er häufig das Kommando. Er modernisierte das vom Strukturwandel geplagte Land, wurde zum einzigen Kronprinzen - eine Rolle, die er sich früher nie hätte vorstellen können. Das Verhältnis zu Rau litt am Ende, Clement drängte und wurde schließlich 1998 Ministerpräsident. Seine Ungeduld zügelte er etwas, nachdem er 2000 selbst mit knapp 43 Prozent wiedergewählt wurde. Sein Verhältnis zum grünen Koalitionspartner ist stets schwierig gewesen, er macht aus seiner Vorliebe für ein Bündnis mit der FDP kein Geheimnis.jz

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