Politik : Einheitsrede: Das Wort hat Helmut Kohl

Albert Funk

Nun redet er doch. Der Kanzler der Einheit spricht zum Tag der Einheit über die Einheit. Nicht direkt am Jubeltag am 3. Oktober, auch nicht in Dresden, wo ihn der Ministerpräsident Biedenkopf nicht reden lassen wollte auf der Einheitsfeier, wohin ihn dagegen die sächsische CDU zur Rede am Vorabend des Einheitsfestes eingeladen hatte. Nein, jetzt er redet vor der CDU am 1. Oktober in Berlin. Auf der Veranstaltung, die Parteichefin Angela Merkel am Montag angekündigt hatte, kurz bevor Kohl wiederum mitteilen ließ, er werde nun nirgends reden - mit Ausnahme einer Diskussionsrunde bei der Adenauer-Stiftung am 27. September. Verwirrend?

Egal. Nun hat sie ihn ja rumgekriegt. Angela Merkel telefonierte am Donnerstag mit Kohl (beide machen derzeit Urlaub, angeblich nicht weit voneinander entfernt). Und sie bekam seine Zustimmung. Steckt Druck der "Kohlianer" dahinter? Gemeinsam, so die knappe Mitteilung der CDU, hätten die beiden den Vorschlag entwickelt, gemeinsam zum zehnten Jahrestag der Vereinigung der beiden CDU-Verbände in Ost und West zu reden. Das geschah nämlich am 1. und 2. Oktober 1990 in Hamburg.

Seit dem vorigen Dezember, als Merkel ihren berühmten Brief an die CDU-Mitglieder schrieb, in dem sie Distanz zum Parteidenkmal empfahl, waren die beiden nicht mehr gemeinsam bei offiziellen Anlässen gesehen worden. Verabredet war für Anfang Oktober aber wohl schon länger etwas: Im Terminkalender von Kohls Sekretärin, der dem Spendenausschuss des Bundestags schon Anfang Juli vorlag, war nämlich für den 2. Oktober ein Date Kohls mit Merkel eingetragen.

Übrigens will auch Unions-Fraktionschef Friedrich Merz demnächst mit dem Altkanzler übers Reden reden: Unklar ist nämlich noch, wer in der Bundestagsdebatte zur Deutschen Einheit für die Union das Wort ergreifet. Kohl soll wohl.

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