Politik : Einkreisen und Zermürben

Die US-Truppen wollen einen Häuserkampf vermeiden

Albert Funk

Der erste Vorstoß nach Bagdad begann um sechs Uhr früh und dauerte drei Stunden: Mit 26 Abrams-Kampfpanzern und zwölf Bradley-Schützenpanzern stieß ein Aufklärungsverband der 3. US-Infanteriedivision am Samstag in die irakische Hauptstadt vor. Aus einem südlichen Vorort kommend, rückte der Trupp nach Militärangaben über die wichtige Ausfallstraße nach Hilla Richtung Stadtmitte vor, bevor er nahe des Tigris nach Westen in Richtung Stadtrand zum Flughafen schwenkte. Den sollen US-Truppen – 7000 Mann sollen es mittlerweile sein – weitgehend unter Kontrolle haben. Am Sonntag folgte ein zweiter Vorstoß.

Der Zweck der Aktionen war sowohl ein militärischer als auch ein psychologischer. Zum einen dienten sie der Aufklärung und als Test der Verteidigungsbereitschaft der Iraker in der Stadt. Die Amerikaner verloren nach eigenen Angaben zwei Panzer – einen durch Beschuss, den anderen durch eine Panne. Ein Soldat starb. Ebenso wichtig war, den Irakern zu zeigen, dass US-Truppen weit vorgedrungen sind und jederzeit überall zuschlagen können. Hunderte, wenn nicht tausende irakische Soldaten sollen nach US-Angaben bei den Gefechten getötet worden sein.

Am Sonntag begannen die US-Divisionen nach Angaben des Oberkommandos in Katar, Bagdad einzukreisen und ihre Kontrolle über den Flughafen zu konsolidieren. Ein massiver Schlag, gar eine Invasion Bagdads, dürfte nicht bevorstehen. Die Alliierten fürchten den Straßen- und Häuserkampf, der viele eigene Opfer kosten würde – aber auch vielen Zivilisten den Tod brächte. Die russischen Erfahrungen in Grosny und die der Israelis in Dschenin mahnen zur Vorsicht. Ein US-Oberst verglich den Häuserkampf mit einer „Messerstecherei in einer Telefonzelle“.

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