Politik : Einmal zu viel geholfen

Jörg Berendsmeier (dpa)

London - Der als britischer Innenminister knallharte David Blunkett ist wie im Groschenroman über eine unglückliche Liebesaffäre gestürzt. Nach wochenlangen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit einer Liebesaffäre ist der 57-Jährige nun am Mittwoch zurückgetreten. Die Beziehung zu Kimberley Quinn (43), der verheirateten Verlegerin der rechtsgerichteten Zeitschrift „Spectator“, brach dem von Geburt an blinden Law-and-Order-Mann nun politisch das Genick. Premierminister Tony Blair, der noch am Abend den bisherigen Bildungsminister Charles Clarke zum neuen Innenminister berief, verliert mit Blunkett einen seiner wichtigsten Männer.

Als „furchtbares Trauma“ bezeichnet der bewegte Blunkett in einem BBC-Gespräch nach dem Rücktritt die im Sommer beendete Beziehung und deren Folgen. „Ich bin nicht einmal ärgerlich, ich bin nur zutiefst verletzt und möchte, dass die Leute wissen, dass ich in meinem öffentlichen Leben immer versucht habe, Menschen zu helfen.“ Genau dies aber wurde ihm zum Verhängnis.

Offensichtlich gab es einen Schriftverkehr zwischen dem Büro des Topministers und der Einwanderungsbehörde, in dem es um die Beschleunigung einer Aufenthaltsgenehmigung für das philippinische Kindermädchen von Kimberley Quinn ging. Quinn hatte im November behauptet, Blunkett sei dabei die treibende Kraft gewesen. Hier lässt den Minister, der nach eigenen Worten nichts Falsches getan hat, zwar die Erinnerung im Stich. Aber er setzte mit seinem Rücktritt in dieser Frage einen Schlusspunkt.

Drei Jahre lang war der Labour-Minister mit der US-Bürgerin liiert gewesen. Im Sommer folgte dann nach der Trennung der große Krach. Blunkett wollte nicht darauf verzichten, seinen aus der Beziehung hervorgegangenen, jetzt zwei Jahre alten Sohn zu treffen – und streitet seitdem vor Gericht um das Besuchsrecht. Im November kam die Rache der Millionärstochter Quinn. Blunkett habe persönlich geholfen, schnell die Aufenthaltsgenehmigung für das Kindermädchen durchzudrücken, sie habe außerdem vom Minister gegengezeichnete Erste-Klasse-Zugfahrkarten und im Urlaub noch Blunketts Leibwächter an die Seite gestellt bekommen. Daraufhin hatte Blunkett selbst eine Untersuchung angeregt.

Auf die Mischung aus Politik, Liebe und Macht stürzte sich die Presse. Die zu Tage getretenen Verfehlungen Blunketts und seiner Beamten im Innenministerium konnten nicht zu einem glücklichen Ende der Geschichte führen – auch wenn sich Blair bis zuletzt hinter den Minister stellte. Der Rücktritt ist ein harter Schlag auch für ihn. Denn Labour will nicht zuletzt mit der von Blunkett gestalteten Antiterror- sowie harscher Law-and-Order-Politik die wohl im kommenden Mai stattfindenden Unterhauswahlen gewinnen und sich eine dritte Amtszeit sichern.

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