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Einreiseantrag geplant : Serienstraftäter "Mehmet" will zurück nach Deutschland

In den 90er Jahren wurde er als Serienstraftäter "Mehmet" bekannt, sein Fall löste eine Debatte über den Umgang mit ausländischen Jugendstraftätern aus. Jetzt will er nach Deutschland zurückkehren - trotz Haftbefehl und Ausweisungsverfügung.

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Ein junger Mann mit kurzgeschnittenem Haar und schwarzem Hemd blickt ernst in die Kamera. Muhlis Ari, besser bekannt als „Serienstraftäter Mehmet“, hat sich dieses Foto für seine Facebook-Seite ausgesucht. Der heute 28-jährige präsentiert sich als gereifte Persönlichkeit, die nichts mehr mit jenem Teenager zu tun hat, der seine Geburtsstadt München und sein Geburtsland Deutschland vor anderthalb Jahrzehnten verlassen musste, weil er massenweise Straftaten begangen hatte. Auch auf einem Video der „Bild“-Internetausgabe tritt Muhlis Ari als geläuterter verlorener Sohn auf. „Alles, was mich ausgemacht hat, hatte ich aus Deutschland“, sagt er. Nun will „Mehmet“, wie er einst aus Jugendschutzgründen genannt wurde, nach München heimkehren.

Richtig glücklich war „Mehmet“ in der Türkei nie. Kurz nach seiner Abschiebung sorgte er zwar mit einer bizarren Kurz-Karriere im Fernsehen für Schlagzeilen. In einem Istanbuler Musiksender sollte der damals über Nacht auch bei seinen türkischen Landsleuten bekannt gewordene Teenager die neuesten Hits präsentieren. Doch die bescheidenen Türkisch-Kenntnisse von „Mehmet“ setzten seiner Laufbahn ein baldiges Ende. Nur wenige Monate nach seiner Ankunft saß er schon wieder im Gefängnis – diesmal in einem türkischen: „Mehmet“ wurde vorgeworfen, einen Laptop gestohlen zu haben. Nach zwei Nächten Haft war er wieder frei. Doch sein Traum von einem Leben in Saus und Braus war dahin. 

In dem Industriestädtchen Cerkezköy etwa hundert Kilometer nordwestlich von Istanbul ließ sich der Junge schließlich nieder und schlug sich mit verschiedenen Jobs durch; seine türkischen Verwandten in Cerkezköy waren arme Leute und konnten ihn nicht unterstützen. „Das war natürlich alles nicht so einfach“, sagt er nun. „Man kann kein 14-jähriges Kind in ein Land schicken, das er nicht kennt.“ 

Zuletzt arbeitete Muhlis Ari in einem Paintball-Zentrum in Cerkezköy, stolz ließ er sich für seine Facebook-Seite vor dem Eingangstor ablichten. Doch auch dort hatte er kein Glück. Das Unternehmen sei vor etwa einem Jahr geschlossen worden, hieß es am Montag in Cerkezköy. Die Telefonnummer des Zentrums ist abgemeldet. 

Für das „Bild“-Video schlenderte Muhlis Ari jetzt durch die sonnige Istanbuler Innenstadt und ließ sich im Nobel-Viertel Bebek am Bosporus ablichten. Seine Vergangenheit als „Verbrechensmaschine“, wie ihn die türkische Presse nannte, hat er nach eigenen Angaben weit hinter sich gelassen. 

Am 14. November 1998 war "Mehmet" aus der Münchner Untersuchungshaft heraus nach Istanbul abgeschoben worden, nachdem er Dutzende Straftaten verübt hatte. Sein Fall machte Schlagzeilen, weil Deutschland damit zum ersten Mal ein Kind allein des Landes verwies, obwohl seine Eltern rechtmäßig in der Bundesrepublik waren. Von der Türkei aus setzte er im Jahr 2002 vor deutschen Gerichten seine Rückkehr nach Deutschland durch. Für eine Weile schien alles gut – doch drei Jahre später floh er in die Türkei, nachdem er seine Eltern verprügelt hatte und dafür zu einer neuen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. 

All das sei vorbei, er habe sich geändert, beteuert „Mehmet“ nun. „Ich bin ein Münchner Kindl“, sagt er. „Das macht mich aus, das bin ich.“ Seine Straftaten in Deutschland habe er „in einer Art Trance“ und unter Gruppenzwang begangen. Aus heutiger Sicht sei „das natürlich schrecklich“. Nun möchte er ein Buch schreiben und Problemkindern helfen – aber nicht in der Türkei, sondern in Deutschland

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