Politik : Einsamer Abschied

Rudolf Scharping verzichtet auf eine Kandidatur als SPD-Vize

Markus Feldenkirchen

Die Flaggen vor dem Willy-Brandt-Haus flatterten nicht auf Halbmast. Die SPD-Präsiden haben die Nachricht vom Rücktritt Rudolf Scharpings am Montag mit Fassung getragen. Vielleicht lag es daran, dass der Ex-Parteichef die Außendarstellung der SPD seit langem nicht mehr bestimmt. Vielleicht auch daran, dass nun ein Platz frei wird in der Parteispitze, auf den populärere Genossen schon lange schielen.

Montag früh rief Scharping Generalsekretär Olaf Scholz an und teilte ihm mit, was er tags zuvor der „Bild“-Zeitung gesagt hatte: dass er im November auf dem Bochumer Parteitag nicht mehr für den Posten des Vizevorsitzenden kandidieren will. Doch die Ankündigung war in etwa so überraschend, als hätte der Papst ein Glaubensbekenntnis abgelegt. Längst ist Scharpings Stern in der SPD verloschen. Hätte er sich in Bochum zur Wahl gestellt und sich damit auf eine Kampfkandidatur gegen dem Mainzer Ministerpräsidenten Kurt Beck eingelassen, er hätte die Zahl seiner Wähler wohl an einer Hand abzählen können. Also brauchte Scharping nur noch einen guten Grund für seinen Verzicht. Den hat er jetzt gefunden: In besagtem „Bild“-Interview beklagte er den traurigen Zustand der Partei, die „sehr viele treue Mitglieder, manche Wahlen und viel Vertrauen“ verloren habe. Und nun verliert die SPD auch noch Rudolf Scharping.

Scholz bemühte sich um die üblichen Respektsbekundungen. „Wir wissen, was wir an Rudolf Scharping haben“, sagte er und erinnerte daran, dass Scharping einmal Ministerpräsident, SPD-Chef, Kanzlerkandidat und Verteidigungsminister war. Künftig aber wird Scharping nur noch Bundestagsabgeordneter sein. Doch selbst diese Aufgabe trauen ihm nicht mehr alle Genossen zu. „Wenn er der Partei noch einen Gefallen tun will, soll er auch sein Abgeordneten-Mandat niederlegen“, giftete Juso-Chef Niels Annen. Dann könnte die Parteilinke Andrea Nahles über die rheinland-pfälzische Landesliste ins Parlament nachrücken. Olaf Scholz übrigens stellte sich in der Mandats-Frage entschieden hinter Scharping und nannte die freche Juso-Forderung nachdrücklich „unhöflich“.

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