Politik : Einsamer Kanzler

Nur jeder Siebte glaubt, dass Schröder und seine Partei an einem Strang ziehen / Mehrheit für einfacheres Steuersystem

-

POLITBAROMETER

Für das Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 10. bis 13. November 1671 Bürger befragt.

Der Fall ist vorerst gestoppt: Die SPD kann in der aktuellen politischen Stimmung zulegen. Nach erheblichen Verlusten bei der letzten Umfrage, die besonders von der Diskussion um die Verschiebung der Rentenerhöhung geprägt war, kommt die SPD mit einem Plus von drei Punkten nun auf 25 Prozent. Die Union verliert einen Punkt und steht jetzt bei 52 Prozent. Klar um zwei Punkte verbessert auf 11 Prozent haben sich die Grünen, die FDP kommt auf 5 Prozent. Konstant bei 4 Prozent liegt die PDS. Wäre am Sonntag tatsächlich Wahl, käme nach der Gewichtung dieser Zahlen aufgrund langfristiger Erkenntnisse über das Wahlverhalten ein etwas anderes Ergebnis zu Stande (siehe Grafik): Danach würde es zu einer schwarz-gelben Regierung kommen, Union und FDP zusammen erreichten 53 Prozent. Rot-Grün käme nur noch auf zusammen 39 Prozent. Sogar eine Alleinregierung der CDU/CSU wäre möglich, sollte die PDS nicht in den Bundestag kommen.

Wenige Tage vor dem SPD-Parteitag meinen nur 15 Prozent der Befragten, dass die SPD voll hinter der Politik ihres Vorsitzenden Gerhard Schröder steht. Im April, als die Agenda 2010 gerade bekannt war, glaubten das noch 24 Prozent. Nicht grundsätzlich anders fällt momentan die Einschätzung der SPD-Anhänger aus, aber hier sind die Zweifel im Vergleich zum April deutlich gewachsen: Lediglich noch 24 Prozent meinen, dass der Kanzler die volle politische Unterstützung seiner Partei erfährt. Vor sieben Monaten waren es noch 42 Prozent.

Bei Angela Merkel ist eine Mehrheit von 58 Prozent der Ansicht, die CDU stehe nicht voll hinter ihr. Doch ist das eine Verbesserung gegenüber April, als 65 Prozent diese Meinung hatten. Eindeutig ist dagegen die Meinung über das Verhältnis zwischen Edmund Stoiber und seiner Partei: 80 Prozent sind davon überzeugt, dass die CSU geschlossen hinter ihm steht. Im April waren das 71 Prozent. Im direkten Vergleich schneidet der Bayer ebenfalls besser ab als die Norddeutsche: 59 Prozent aller Befragten glauben, dass Stoiber in der Union mehr Einfluss hat, 29 Prozent sehen Merkel in der stärkeren Position.

Das Steuersystem hält nur eine Minderheit von 14 Prozent für gerecht. Etwas mehr als die Hälfte der Bürger befürwortet eine Vereinfachung des Systems, wenn Eigenheimzulage, Entfernungspauschale und sonstige Abschreibungsmöglichkeiten gestrichen werden, dafür die Steuersätze aber sinken. 40 Prozent befürworten das Vorziehen der Steuerreform nur, wenn die Gegenfinanzierung hauptsächlich über Einsparungen im Bereich des Arbeitsmarkts geleistet wird. Nur 19 Prozent sind auch dann dafür, wenn vor allem neue Schulden gemacht werden.

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben