Einsatz am Hindukusch : USA sollen von Merkel 2000 Soldaten mehr verlangen

Die neue Afghanistan-Strategie Obamas könnte auch die Bundeswehr treffen. Laut Zeitungsberichten fordert der US-Präsident mindestens 2000 zusätzliche deutsche Soldaten.

30.000 zusätzliche Soldaten, Abzug aus Afghanistan ab dem Sommer 2011: In seiner Rede zur Strategie in Afghanistan hat US-Präsident Barack Obama auch die Bündnispartner in die Pflicht genommen. Die Nato-Staaten müssten ihr Truppenkontingent ebenfalls aufstocken – also auch die Bundeswehr.

Wie die Leipziger Volkszeitung unter Berufung auf Regierungsvertreter in Berlin berichtet, habe der Präsident um die zusätzliche Entsendung von 2000 Bundeswehrsoldaten gebeten. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung stellt sich Berlin gar auf Forderungen der USA nach bis zu 2500 zusätzlichen Bundeswehrsoldaten ein.

Für eine Offensive in der ersten Jahreshälfte 2010 erwarte man in Washington einen eindeutigen Beitrag Deutschlands "zur Stärkung der internationalen Kampfkraft" auch in den besonders umkämpften Gebieten im Süden und Osten Afghanistans, berichtete die Leipziger Volkszeitung. Dies könne unter anderem auch eine Erweiterung des bisherigen deutschen Einsatzgebietes über den Norden hinaus bedeuten.

Derzeit sind rund 4500 Bundeswehrsoldaten am Hindukusch im Einsatz. Die in dem Bericht genannte US-Forderung entspräche einer für bisher unwahrscheinlich gehaltenen Aufstockung des deutschen Kontingents um fast 50 Prozent.

Der Bundeswehrverband äußerte sich skeptisch über eine Truppenaufstockung. "Bevor über neue Truppen nachgedacht oder entschieden werden kann, muss eine ehrliche Bilanz der militärischen Lage und der zivilen Wiederaufbauerfolge gezogen werden", sagte der Verbands-Vorsitzende Ulrich Kirsch und betonte die "nationale Souveränität" und Entscheidungshoheit Deutschlands. Sollte aber die "kämpfende Truppe" tatsächlich verstärkt werden, dann sei bei den Infanteriekräften die Grenze des Zumutbaren bei den jetzigen Einsätzen schon erreicht. "Da gibt es eigentlich keinen Spielraum mehr", betonte der Vorsitzende des Bundeswehrverbands.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte am Dienstag, dass sich die Regierung nicht unter Druck setzen lasse und frühestens Ende Januar über eine Aufstockung der Bundeswehr-Truppen in Afghanistan entscheide. Die CDU-Chefin verwies auf die internationale Afghanistan-Konferenz, die am 28. Januar in London stattfinden soll. Erst danach werde Deutschland festlegen, "ob und gegebenenfalls was wir an zusätzlichen Anstrengungen machen".

Bereits vor einigen Wochen hatte das Verteidigungsministerium dementiert, dass es eine Aufstockung auf 7000 Mann plane. Nach Informationen aus der Bundeswehr arbeiten Offiziere allerdings an einer Erhöhung des deutschen Kontingents.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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