Einsatz-Handbuch : US-Militär: Mehr Aufbauarbeit, weniger schießen

Im neuen Einsatz-Handbuch der US-Armee hat der Aufbau eines Landes künftig den gleichen Stellenwert wie die militärischen Maßnahmen. Den neuen Leitlinien liegen die leidvollen Erfahrungen des Irak-Kriegs zugrunde.

WashingtonDie US-Armee hat nach eigenen Angaben Lehren aus dem Irak-Einsatz gezogen und ihre Militärdoktrin komplett überarbeitet. Die Neuausgabe des Einsatz-Handbuchs messe Stabilisierungsmaßnahmen wie etwa Hilfen für den Aufbau besetzter Länder erstmals denselben Stellenwert zu wie militärischen Angriffs- und Verteidigungsmaßnahmen, sagte Armeesprecher Gary Kolbe. Er bewertete die Änderungen, die auf den Erfahrungen im Irak und in Afghanistan basierten, als "evolutionär und revolutionär".

Im Mittelpunkt der neuen Doktrin, die als Leitfaden für Soldaten dienen, stünden "Operationen mit vollem Einsatzspektrum", sagte Kolbe. Dies bedeute, dass sich die US-Armee für eine große Bandbreite von oftmals gleichzeitig anfallenden Aufgaben rüsten werde - von hochgefährlichen Kampfeinsätzen bis hin zum Aufbau staatlicher Institutionen. "Dies ist die Blaupause für unsere Operationen in einer ungewissen Zukunft", sagte der Sprecher. Die Regularien in dem Handbuch beeinflussten Organisation, Ausbildung, Ausrüstung und Führungsstruktur der Armee.

Irak: US-Armee nicht auf Zeit nach Invasion vorbereitet

Die bislang gültige Fassung des Armeehandbuchs stammt aus dem Jahr 2001. In die Neuausgabe flossen nach Armee-Angaben die Erfahrungen jüngerer Offiziere aus den Einsätzen im Irak und in Afghanistan ein. Die Invasion im Irak 2003 offenbarte nach weit verbreiteter Einschätzung, dass die US-Armee auf die Zeit nach dem Kampfgeschehen unvorbereitet war und dem folgenden Aufstand der Besatzungsgegner nicht ausreichend entgegenwirken konnte.

Das neue Handbuch soll offiziell auf einem Militärsymposium am 28. Februar vorgestellt werden. Der neue Schwerpunkt der Militärdoktrin zeigt auch die Weiterentwicklung der Außenpolitik unter US-Präsident George W. Bush. In seinem Wahlkampf vor Amtsantritt 2001 hatte Bush immer wieder betont, dass er den Aufbau anderer Staaten ("nation building") nicht als Aufgabe der USA betrachte. (jvo/AFP)

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