Einsatz in Westafrika : Paris plant Rückzug - trotz anhaltender Kämpfe

In Mali gibt es weiter heftige Kämpfe, doch Frankreichs Regierung spricht schon über einen Abzug im März. Die Bundeswehr weitet ihren Beitrag am Einsatz in Westafrika unterdessen aus. Der Einsatzort ist aber noch offen.

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Malische Bürger winken am Flughafen von Bamako einem französischen Militärkonvoi zu.
Malische Bürger winken am Flughafen von Bamako einem französischen Militärkonvoi zu.Foto: dpa

Der Einzug französischer Truppen in Mali liegt nur wenige Wochen zurück, da spricht man in Paris schon von einem baldigen Rückzug aus dem westafrikanischen Land. „Wenn alles gut geht, meinen wir, dass wir im Lauf des März mit dem Rückzug beginnen können“, erklärte Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem am Mittwoch nach der Sitzung des Ministerrats. Nachdem Präsident François Hollande am Samstag bei seinem Blitzbesuch in Mali noch bestätigt hatte, dass die französischen Truppen dort „so lange wie nötig“ bleiben würden, setzte sich am Mittwoch eine optimistische Einschätzung der Lage durch. Außenminister Laurent Fabius sagte in einem Zeitungsinterview, dass er eine zahlenmäßige Verringerung der Interventionstruppe „ab März“ für möglich halte, wenn die Dinge sich so entwickelten wie vorgesehen. Es sei nicht Frankreichs Bestimmung, auf Dauer in Mali zu bleiben. Dagegen sprach Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian im Rundfunk vage davon, dass man „in einigen Wochen“ mit dem Rückzug beginnen könnte.

Le Drian zog erstmals eine Bilanz der französischen Intervention. Bei Luftschlägen gegen Fahrzeugkolonnen der Islamisten und bei „frontalen Zusammenstößen“ seien „mehrere hundert“ Kämpfer getötet und viele andere verletzt worden. Noch am Dienstag habe es schwere Kämpfe in der Region von Gao in Nordmali gegeben. „Es ist ein richtiger Krieg mit bedeutenden Verlusten“, sagte er. Auf französischer Seite habe es außer dem bei Beginn der „Operation Serval“ am 11. Januar getöteten Hubschrauberpiloten lediglich „einige leicht Verletzte“ gegeben.

Mit 4000 für die Intervention mobilisierten Soldaten habe Frankreich das „Maximalformat“ erreicht, sagte Le Drian. Sie sollen Zug um Zug von afrikanischen Truppen abgelöst werden. Von den 6000 von der westafrikanischen Gemeinschaft Ecowas erwarteten Truppen seien 2000 eingetroffen, dazu zusätzlich 2000 aus Tschad. Die Ablösung könne also „relativ schnell“ erfolgen.

Erstmals hat es nach Pariser Informationen bei der nordmalischen Stadt Kidal auch Kontakte zwischen französischen Einheiten und Angehörigen der Tuareg-Rebellen der „Nationalen Befreiungsbewegung des Azawad“ (MNLA) gegeben. Le Drian sagte dazu, wenn diese Bewegung, die vergangenes Jahr bei der Invasion Nordmalis von der Terrororganisation Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqmi) überrollt worden war, der Gewalt entsage und zum Dialog mit der Regierung bereit sei, werde sie einen „Platz am Verhandlungstisch“ haben. MNLA- Angehörige sollen kürzlich Zugang zu den von Aqmi nördlich von Kidal seit 2011 gefangen gehaltenen sieben französischen Geiseln gehabt haben. Diese befänden sich „in gutem Zustand“.

Die Bundeswehr, die derzeit noch kein Bundestagsmandat für den Mali-Einsatz besitzt, aber schon jetzt afrikanische Truppen beim Lufttransport ins Krisengebiet unterstützt und bald auch französische Flugzeuge in der Luft betanken soll, wird künftig auch mit bis zu 40 Soldaten des Sanitätsdienstes ein Feldlazarett in der Region betreiben. Das aus mehreren Containern und Zelten bestehende Rettungszentrum ist ein deutscher Beitrag zur Militär-Ausbildungsmission der Europäischen Union (EUTM), die insgesamt 500 Soldaten aus 17 EU-Ländern und Norwegen umfasst. Am Freitag sollen die ersten Soldaten der EU-Mission in das westafrikanische Krisenland aufbrechen, der offizielle Start ist für den 12. Februar geplant. Der Trainingsbeginn für die ersten malischen Soldaten ist für Ende März oder Anfang April vorgesehen. Die Bundeswehr stellt neben medizinischem Personal auch 40 Pioniere für den Einsatz in Mali zur Verfügung.

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