Politik : Einsicht im Wartezimmer?

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Aus Protest gegen die Gesundheitspolitik sollen Politiker aller Parteien künftig deutlich länger im Wartezimmer sitzen müssen und auch im Krankenhaus nicht mehr bevorzugt behandelt werden. Über einen entsprechenden Antrag seines Landesverbands Westfalen-Lippe hat der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands ( NAV Virchow-Bund ) am Samstag bei seiner Hauptversammlung in Köln zu befinden. Bei dem Vorstoß handle es sich nicht etwa um einen Racheakt , sondern um den Versuch, „bei den Verursachern der Probleme eine gewisse Demut und Einsicht zu fördern“, sagte der Landesvorsitzende Martin Junker dem Tagesspiegel. Da es den Politikern an Sachkenntnis fehle, wolle man ihnen Gelegenheit geben, „den normalen Ablauf in einer Arztpraxis zu erleben und sich auch mal die Sorgen der Patienten anzuhören“. So könne etwa im Wartezimmer über die umstrittene Bonus-Malus- Regelung diskutiert werden, die Ärzte zu sparsamer Arzneiverschreibung anhalten soll und von 90 Prozent der Patienten abgelehnt werde. Unethisch sei zudem nicht eine Gleichstellung der zumeist privat versicherten Volksvertreter mit gewöhnlichen Kassenpatienten, sondern deren Sonderbehandlung . Er hoffe darauf, dass der Verband den Ärzten ein entsprechendes Vorgehen gegen Politiker empfehle und „wir die Extrawürste auf diese Weise rausbekommen“. Ausgenommen seien natürlich akute Notfälle. Bundesverbands-Sprecher Klaus Greppmeir indessen scheint der Antrag nicht sonderlich zu behagen. Er wollte ihn weder kommentieren noch die Frage beantworten, welche eigenwilligen Protestformen erzürnte Ärzte derzeit sonst noch propagieren. raw

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