Ein Zwischenruf zur Kriminalität : Einbruch ist kein Mundraub

Einbruch und Diebstahl haben nichts mit Armut zu tun - sondern mit organisierter Kriminalität und Verbrechern. Ein Kommentar.

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Barbara John, ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats (CDU) und Voritzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin Kreuzberg im Januar 2016. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Barbara John, ehemalige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats (CDU) und Voritzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Müssen wir uns in Deutschland abfinden mit mehr und mehr Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäusern? Bloß nicht! Es reicht schon, dass die Polizei kapituliert zu haben scheint und sich nicht in der Lage sieht, den Einbrecherbanden das Stehlen durch wirksame und schnelle Aufklärung zu verleiden. Die Quote liegt nur bei ca. 16 Prozent. Bei Computerkriminalität ist sie immerhin doppelt so hoch. Zur staatlichen Ohnmacht wurde nun sogar eine nachsichtig klingende Erklärung des Phänomens geliefert, und zwar vom Chef des Bundeskriminalamtes, Holger Münch: Der sagte, es sei die Armut in Teilen Europas, die zu mehr Einbrüchen in Deutschland führe. Beispielsweise durch Tätergruppen aus Georgien, Albanien, Rumänien und Serbien. Schließlich sei die Arbeitslosigkeit dort hoch und die Einkommen niedrig.

Wir sind also auch irgendwie selbst schuld

Was soll uns das denn sagen? Etwa: Wer arm ist, nur wenig verdient, wird zwangsläufig diebisch? Oder: Das haben wir davon, dass in Deutschland fast jeder einen Laptop, ein Handy, ein wenig Schmuck und auch Bargeld zu Hause hat? Wären wir ärmer, lebten wir sicherer. Wir sind also auch irgendwie selbst schuld. Was immer Münch damit meinte, es ergibt keinen Sinn: Er beleidigt Arme, stilisiert Täter indirekt zu Opfern und gibt Opfern eine unbeabsichtigte Mitschuld. Das Übelste ist allerdings, dass ungesagt bleibt, worum es sich bei Einbruch und Diebstahl wirklich handelt, nämlich um zielgenau geplante organisierte Kriminalität von Mafia-Banden. Weder die Hintermänner noch die Täter gehören zu den armen Schluckern. Im Gegenteil. Mit krimineller Energie haben sie erst im eigenen Land Wehrlose bestohlen und nun ihr Geschäftsmodell „Nur-mir-soll es-gutgehen“ nach Deutschland verlegt. Hier rauben sie mit kleinem Risiko wieder Wehrlose aus und fügen ihnen materiellen und seelischen Schaden zu (Unsicherheit, Angst).

Was dagegen getan wird, reicht nicht. Es gibt bis heute keine Telefonüberwachung bei diesem Delikt! Hausgemeinschaften brauchen mehr Aufklärung zur Prävention. Die in Berlin zuständige Polizeidirektion II tut viel, aber meist erst nach dem Einbruch. Zu spät!

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