Politik : Eiserne Harmonie

Putin belehrt Demonstranten: Es gibt keinen Krieg mehr in Tschetschenien / Treffen mit Schröder

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Schleswig Zu kaum einem anderen Staatschef pflegt Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) derart enge Beziehungen wie zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Doch manche wünschen sich mehr kritische Worte des „strategischen Partners“ zu aktuellen russischen Problemen. Im Mittelpunkt der 7. Deutsch-Russischen Konsultationen in Schleswig stand der weitere Ausbau der strategischen Partnerschaft. Misstöne waren da nicht willkommen. Die Zerschlagung des Ölkonzerns Jukos sei eine innerrussische Angelegenheit, hieß es lapidar.

In einer anderen Frage ging Putin auf Schloss Gottorf selbst in die Offensive. Auf Deutsch sagte er, es gebe bereits seit drei Jahren keinen Krieg mehr in Tschetschenien. Seine Delegation habe die Demonstranten wohl gesehen, die gegen das Vorgehen Russlands in der Kaukasusrepublik demonstrierten. „Liebe Demonstranten, seit drei Jahren gibt es keinen Krieg mehr in Tschetschenien. Sie können ruhig nach Hause gehen. Frohe Weihnachten!“, sagte er. Er wolle damit nicht sagen, dass es keine Probleme in Tschetschenien gebe. „Wir sind gerne bereit, ganz offen mit unseren Freunden in Europa und in Deutschland zu sprechen.“

Wenige Tage vor Weihnachten dominierte die festliche Stimmung und Putin brachte auch ein willkommenes Geschenk mit in die Schleistadt. Russland will seine Schulden früher als geplant an Deutschland zurückzahlen. Konkrete Beträge nannte er zwar nicht. Rund 21 Milliarden Euro Schulden stehen jedoch zu Buche. Die russische Wirtschaft befinde sich im Aufschwung und könne sich die Rückzahlung der Kredite leisten, begründete Putin die Ankündigung. Russland sei jedenfalls bereit, „diese Frage zu lösen“. Das russische Staatsoberhaupt hatte sogar noch ein weiteres vorweihnachtliches Geschenk im Gepäck: Russland unterstütze Deutschlands Wunsch nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, sagte Putin. Dies müsse gleichwohl einvernehmlich mit den anderen Mitgliedern gelöst werden.

Für Putin bedeutete der Besuch auch einen Ausflug in die deutsch-russische Geschichte. Spielte doch das Haus Schleswig-Holstein-Gottorf eine nicht unwichtige Rolle in der Zarenzeit. Anfang des 18. Jahrhunderts heiratete Herzog Carl Friedrich Anna Petrowna, die älteste Tochter von Peter dem Großen. Deren einziger Sohn, Carl Peter Ulrich, bestieg 1762 als Zar Peter III. den russischen Thron.

Ausklingen ließ der russische Präsident das Treffen mit einem Besuch in Schröders Privathaus in Hannover. ddp

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