Eisernes Kreuz : Ehern tapfer

Für die Wiedereinführung des "Eisernen Kreuzes" gibt es eine Petition - die Opposition ist dagegen.

Sarah Kramer,Frank Jansen
Eisernes Kreuz Foto: ddp
Eine Abwandlung des Eisernen Kreuzes ist als Hoheitszeichen an Bundeswehrflugzeugen zu sehen. -Foto: ddp

Berlin Mancher Gast glaubte am Dienstag beim Parlamentarischen Abend des Bundeswehr-Reservistenverbandes in Berlin, sich verhört zu haben. Der Präsident des Verbandes, Ernst-Reinhard Beck, hatte im Vorgriff auf den sich anschließenden Redebeitrag von Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) angeregt, über eine „Auszeichnung für besondere Tapferkeit, besondere Einzelleistungen im Einsatz“ für Soldaten nachzudenken. Besondere Taten Einzelner oder von Gruppen sollten über die bestehenden Auszeichnungen der Bundeswehr hinaus sichtbar werden und formal ihre Würdigung finden. Wie eine solche Anerkennung konkret aussehen könnte, deutete Beck, der neben dem Amt des Verbandspräsidenten auch das eines CDU-Bundestagsabgeordneten bekleidet, wenige Sätze später an: Im Zusammenhang mit einer soldatischen Auszeichnung sei „auch über das Eiserne Kreuz diskutiert worden“.

Das Symbol sei nicht nur im Wappen des Reservistenverbandes enthalten, sondern als Hoheitsabzeichen auf allen Schiffen, Flug- und Fahrzeugen abgebildet, argumentierte Beck.

Mit dieser Auffassung steht Beck offensichtlich nicht alleine da: Eine nahezu identische Begründung findet sich im Wortlaut einer Bundestagspetition vom März 2007, die das Parlament Mitte Dezember vergangenen Jahres an das Verteidigungsministerium überwiesen hat. In der Eingabe, der sich 5070 Unterzeichner angeschlossen haben, wird angeführt, dass die weltweiten Einsätze der Bundeswehr immer mehr zunähmen, während die Soldatinnen und Soldaten gleichzeitig vermehrt Belastungen zu verkraften hätten. Auch von der Öffentlichkeit erfahre man als Bundeswehrsoldat kaum Rückhalt und Anerkennung. Um den Mangel zu beheben, müsse ein Tapferkeitsorden wie das Eiserne Kreuz her: Dieses sei „aus militärhistorischer Sicht hervorragend“ als Soldaten-Verdienstorden geeignet – weil es auf die deutsche Geschichte Bezug nehme und „ohnehin überall in der Bundeswehr Verwendung finde“.

Beim Parlamentarischen Abend griff Beck mögliche Bedenken gegen eine Neuauflage des Eisernen Kreuzes auf – um sie dann rhetorisch beiseite zu schieben. „Ich verkenne nicht, dass unter diesem Zeichen Angst, Schrecken und Leid über die Völker gebracht worden sind“, sagte Beck. Doch seit gut 15 Jahren, in denen die Bundeswehr sich im Auslandseinsatz befinde, sei „dieses Eiserne Kreuz in den Krisen- und Katastrophengebieten dieser Welt zu einem Symbol der Hoffnung geworden“. Man könne darüber nachdenken, das Eiserne Kreuz zu verwenden, „ohne die Schattenseiten des Symbols zu zu verschweigen oder zu vergessen.“

Bundestags-Oppositionspolitiker reagierten auf Becks Äußerungen mit harter Kritik. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) lehnte generell den Plan zur Einführung einer Auszeichnung für Tapferkeit ab: „Soldatenorden für Mut und Tapferkeit sind Relikte aus vorigen Jahrhunderten.“ Solche Auszeichnungen „heroisieren letztlich Kriege“, sagte Pau. Das „Eiserne Kreuz“ sei erst recht „als Symbol durch zwei Weltkriege verbrannt“. Für die Abgeordnete der Linken ist es schon „schlimm genug, dass die Bundeswehr es noch immer im Schilde führt“. Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei kritisierte, mit einem Tapferkeitsorden für Soldaten würden „offenkundig einseitig Kämpfertugenden betont“.

Das Eiserne Kreuz wurde 1813 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. in den Befreiungskriegen gegen die französische Besatzung unter Napoleon gestiftet. Im Krieg zwischen Preußen und weiteren deutschen Staaten mit Frankreich wurde die Stiftung des Ordens im Jahr 1870 erneuert. Das wiederholte sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Adolf Hitler führte das Eiserne Kreuz, nun mit Hakenkreuz in der Mitte, 1939 wieder ein – als Orden für besondere Tapferkeit im Raub- und Vernichtungskrieg der Nazis. Nicht nur Soldaten der Wehrmacht, auch Angehörige der Waffe-SS erhielten das Eiserne Kreuz. Die Nazis schufen zudem das Ritterkreuz, das für besondere militärische „Leistungen“ vorgesehen war.

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