Politik : Eiszeit statt Segen

Bischöfin Maria Jepsen fühlt sich vom Hamburger Senat brüskiert. Jetzt gibt sie ihren Vorsitz in der nordelbischen Kirche auf

Günter Beling[Hamburg]

Die Kirchenfrau geht den Rathausherren mächtig auf die Nerven. Mal stellt sich Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen vor Bettler, Asylsuchende und homosexuelle Paare, dann demonstriert sie gegen den Irak-Krieg oder rügt die staatliche Brechmittelvergabe, die einen mutmaßlichen Straßendealer das Leben kostete. Jetzt schien die Chance zur Revanche gekommen. Der kirchenpolitische Sprecher der Hamburger CDU-Bürgerschaftsfraktion, Wolfgang Beuß, warf der Bischöfin kirchliche Sparmaßnahmen wie die Schließung der Evangelischen Akademie Nordelbien mit den Worten vor: „Frau Jepsen ist kein Segen für die Stadt.“ Nun herrscht Eiszeit zwischen Kirche und Christdemokratie.

Die Hau-Drauf-Politik der Union mag ihren Grund auch darin haben, die Synode Nordelbiens in ihrem Sinne zu beeinflussen; die interne Sparpolitik ist dort ein Reizthema. Das Kirchenparlament tagte am Wochenende und stimmte nach kontroverser Diskussion mit großer Mehrheit der Auflösung der Akademie zu: Allein 2002 hatte die Einrichtung rund 900 000 Euro mehr ausgegeben als geplant. Betroffen sind rund 60 Mitarbeiter. Die Synode wählte den Verwaltungsjuristen und früheren Hamburger Staatsrat Hans-Peter Strenge (55) zum neuen Präsidenten der Synode – Strenge ist Sozialdemokrat. Jepsen will den Vorsitz in der Leitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche im nächsten Jahr aufgeben. In Hamburg warten genug Aufgaben auf die Bischöfin, die 2002 in ihrem Amt bestätigt worden war.

Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat ist gespannt in der Hansestadt. Auf Drängen des damaligen Innensenators Ronald Schill vereitelte der Senat das Zustandekommen eines neuen Staatsvertrages. „Ein Hamburger kniet nicht vor der Kirche“, hatte der Rechtspopulist getönt – damals noch als Stellvertreter Ole von Beusts. Nun sorgte der führende Kirchenpolitiker der Union wieder für schlechte Stimmung.

Viele Gläubige seien „durch politische Einseitigkeit verprellt“ worden, sagte Beuß. Wenn der CDU/FDP/Schill-Senat bei Sozialausgaben spare, werde er von der Bischöfin angegriffen: „Dabei goutiert Frau Jepsen selbst Einsparungen bei den sozial Schwachen – das ist schlichtweg doppelzüngig.“ Nordelbien leiste sich den Luxus von drei Bischöfen, mit Stabstellen und Dienstwagen. Norbert Frühauf, Fraktionschef der Schill-Partei in Hamburg, griff Jepsen ebenfalls an: „Sie hat uns verteufelt und ausgegrenzt mit obermoralischem Standesdünkel.“

Eine Bischöfin als Unsegen? „Die Äußerung hat mich sehr geschmerzt“, sagte Maria Jepsen dem Radiosender 90,3. Sie habe sich erschrocken und eine Erschütterung verspürt, „wie ich sie so eigentlich selten erlebt habe. Weil da mit geistlichen Worten eine persönliche Kritik zur Sprache kommt, die ich nicht für angemessen halte“. Sie erwarte, dass Menschen, die mit geistlichem Leben vertraut sind, „sehr wohl bedenken, wo sie welche Vokabeln nehmen“. Auch inhaltlich sei die CDU-Kritik unzutreffend.

Er verwahre sich gegen „Diffamierungen und persönliche Verletzungen“, sagt Jepsens Stellvertreter, Propst Jürgen F. Bollmann: „Das ist nicht der Stil, den wir im Umgang mit Menschen in Politik und Gesellschaft pflegen.“ Pastor Dietrich Sattler fordert Beuß zu einer Entschuldigung auf. Die scheidende Präsidentin der Synode, Elisabeth Lingner, hat ihr Wort zum Sonntag bereits gesprochen: „Zum Glück entscheiden nicht die Politiker, wer oder was ein Segen ist – das wird von höherer Warte aus beurteilt."

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