EKD-Synode : Grüne führt evangelisches Parlament

Erstmals steht eine Grüne an der Spitze der EKD-Synode: Das protestantische Kirchenparlament wählte die 42-jährige Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) auf ihrer konstituierenden Tagung zur Präses.

Benjamin Lassiwe
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Göring-Eckardt

WürzburgWürzburg - Erstmals steht eine Grüne an der Spitze der EKD-Synode: Das protestantische Kirchenparlament wählte die 42-jährige Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) auf ihrer konstituierenden Tagung zur Präses. Göring-Eckardt erhielt 72 der 125 Stimmen. Ihr Gegenkandidat, der später zum Vizepräses gewählte ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), erhielt 50 Stimmen. Die bisherige Präses der Synode, die Oberbürgermeisterin von Nordhausen (Thüringen), Barbara Rinke (SPD), trat nicht wieder an.

Vor der Synode stellte sich Göring-Eckardt als Politikerin vor, „die sich öffentlich als Evangelische bekennt“, „um der Sache willen“ aber Kompromisse suche. „Herzensanliegen“ seien ihr die Themen Kinder- und Jugendarmut und Bewahrung der Schöpfung. Daneben äußerte sich die mit einem Pfarrer verheiratete Mutter zweier Söhne auch zum künftigen Kräfteverhältnis in der EKD: Ihr sei es wichtig, dass die Synode „Bestandteil der Kirchenleitung“ sei. Göring-Eckardt hatte ihr eigenes Theologiestudium in den Wendejahren abgebrochen; seit 2003 gehört sie der Synode an und wird 2011 Präsidentin des 33. Kirchentags in Dresden sein. Die evangelische Kirche sei „keine Amtskirche, in der es schön sei, dass die Laien mitmachen, sondern eine Kirche, in der die Laien Ämter haben“, sagte sie. Göring-Eckardt ist kraft ihres Amtes Mitglied im Leitungsgremium der Evangelischen Kirche, dem Rat der EKD.

In den letzten Jahren hatte die nur einmal im Jahr tagende EKD-Synode zum Leidwesen vieler Kirchenparlamentarier an Bedeutung verloren. Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber wurde öffentlich immer stärker als Gesicht der evangelischen Kirche wahrgenommen – Günther Beckstein bezeichnete ihn in Würzburg scherzhaft als „evangelischen Papst“.Benjamin Lassiwe

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