Eklat in der französischen Nationalversammlung : Politiker gackert während Rede einer Abgeordneten

Der konservative Philippe Le Ray gackert während der Rede der grünen Abgeordneten Véronique Massonneau in der französischen Nationalversammlung. Jetzt diskutiert Frankreich über den Sexismus und den Alkoholkonsum von Spitzenpolitikern.

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Winkende weibliche Abgeordnete bei ihrer Ankunft im Parlament
Aus Protest zu spät im Parlament: Die Sozialistinnen und die Grünen kamen am Donnerstag später ins Parlament, um gegen das...Foto: AFP

Einen Namen hat die Affäre schon, jedenfalls als Suchbegriff beim Kurznachrichtendienst Twitter: Poule-Gate (Hühner-Gate). Weil er während der Rede der grünen Abgeordneten Véronique Massonneau lauthals ein gackerndes Huhn nachäffte, muss der französische UMP-Politiker Philippe Le Ray auf ein Viertel seines nächsten Gehalts verzichten. Der Präsident der französischen Nationalversammlung sah am Mittwoch einen „sexistischen Charakter“ des Verhaltens von Philippe Le Ray als erwiesen an. Mit dem Einverständnis aller Fraktionen wurde der Konservative mit einem Ordnungsruf und dem Gehaltsabzug bestraft. Le Ray verliert rund 1380 Euro.

Aus Protest gegen das Verhalten des UMP-Politikers während einer Rentendebatte am Dienstag waren die Abgeordneten des linken Lagers am Mittwoch zu spät zur Sitzung gekommen. Zu ihnen gehören auch die Abgeordneten der regierenden Sozialisten um Präsident François Hollande.

Am Mittwochabend hatte Le Ray in der französischen Nationalversammlung einen Eklat ausgelöst. Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem sagte am Mittwoch in Paris, manche könnten „nach Abendessen, bei denen offenbar viel Alkohol getrunken wurde“, nicht mehr die ihrem Mandat angemessene Form wahren. Die Grünen-Fraktion sprach von einem „traurigen Vorfall von Sexismus“. Die Grünen-Abgeordnete Véronique Massonneau war in der Nacht zum Mittwoch durch das Hühner-Gegacker unterbrochen worden, als sie einen Zusatzartikel zu einem Gesetzestext vorstellte. Massonneau wandte sich direkt an ihren konservativen Parlamentskollegen und sagte: "Das reicht. Ich bin kein Huhn." Doch Le Ray hörte nicht auf damit. Ein You-Tube-Video zeigt die Szene, das Gackern ist allerdings nicht zu hören.

Massonneau an ihrem Platz im Parlament
Die grüne Abgeordnete Véronique Massonneau konnte ihre Rede am Mittwochabend vor der französischen Nationalversammlung nicht zu...Foto: AFP

Parlamentspräsident Claude Bartolone unterbrach daraufhin die Parlamentsdebatte und prangerte das „unglaubliche Verhalten“ an. "Es gibt Dinge in diesem Haus, die ich niemals akzeptieren werde", sagte Bartolone. "Dass Mitglieder des Parlaments so tun, als würden sie sich in einen Vogel verwandeln, während ein anderes Parlamentsmitglied spricht, ist nicht akzeptabel." Weiter sagte er: "Ich verstehe, dass beide Seiten Ideen zu verteidigen haben, aber dass Sie dieses Haus in einen Spielplatz verwandeln - Nein!"
Aus dem Umkreis der konservativen UMP verlautete, Le Ray habe sich am Mittwochmorgen bei der Grünen-Politikerin telefonisch entschuldigt. Massonneau sagte nach der Sitzung in einem Fernsehinterview: "Ich glaube, er war betrunken. er hat gegackert und gegurrt." Im Land hat der Vorfall heftige Kritik ausgelöst. Auf der Facebook-Seite von Le Ray schrieben so viele Franzosen böse Kommentare, dass er sie am Mittwochvormittag vom Netz nahm. Im Land wird nun aufgeregt über den Sexismus und den Alkoholkonsum von Spitzenpolitikern diskutiert.

Kulturministerin Aurélie Filippetti kritisierte das Verhalten des konservativen Abgeordneten als „jämmerlich“. „Das beweist, dass wir weiterhin dafür kämpfen müssen, dass Frauen in der Politik respektiert werden.“ Im vergangenen Jahr war eine Parteifreundin Massonneaus, Wohnungsbauministerin Cécile Duflot, in der Nationalversammlung mit anzüglichen Pfiffen empfangen worden, als sie ein Sommerkleid mit Blumenmuster trug. Die Vorsitzende des Sozialausschusses, Catherine Lemorton, berichtete zudem, im Jahr 2008 habe ihr ein Abgeordneter den Preis für „die schönsten Beine in der Nationalversammlung“ zuerkannt, als sie zum Rednerpult ging. Danach habe sie bis zu diesem Sommer nie wieder einen Rock im Parlament getragen. (mit AFP /dpa)

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