Politik : Elder Statesmen debattieren die Weltlage in Berlin

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Berlin - Dreihundert amtierende und ehemalige politische Entscheidungsträger aus 43 Ländern diskutieren an diesem Wochenende Fragen der europäischen Sicherheit und nuklearer Abrüstung auf der 59. sogenannten Pugwash-Konferenz.

Die Konferenz, die 1957 erstmals im kanadischen Fischerdörfchen Pughwash abgehalten wurde, beruft sich auf das „Russell-Einstein-Manifest“ von 1955, das vor den Folgen des Einsatzes von Nuklearwaffen warnt und das Bertrand Russell, Albert Einstein und weitere namhafte Wissenschaftler unterzeichneten. 1995, fünfzig Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, wurde der Pugwash-Konferenz, die entscheidenden Anteil am Atomwaffensperrvertrag hatte, der Friedensnobelpreis verliehen.

In diesem Jahr lädt das Auswärtige Amt zu den einzelnen Symposien ein. Am heutigen Samstag werden sich die Konferenzteilnehmer mit Irans Atompolitik und möglicher Unterstützung Europas für den zu gründenden Staat Palästina beschäftigen. Am Sonntag wird es um Möglichkeiten gehen, die Beziehungen zwischen den Nachbarn Indien und Pakistan zu verbessern. Neben einem Plenum zur Zukunft Palästinas, an dem der palästinensische Außenminister Riad Malki und ehemalige israelische Minister teilnehmen wollen, werden auch Vertreter der japanischen Atombehörden erwartet, die über die Konsequenzen des Reaktorunglücke in Fukushima berichten.

In seiner auf Englisch gehaltenen Eröffnungsrede wies Außenminister Guido Westerwelle am gestrigen Freitag daraufhin, dass Deutschland seinen Vorsitz im UN-Sicherheitsrat auch dazu nutzen wolle, sich auf Fragen der Abrüstung und nuklearen Nichtverbreitung zu konzentrieren; ebenso sei es wichtig, Brücken zu den neue Kraftzentren in der Welt zu bauen, zu China, Lateinamerika und Südafrika.

Das einleitende Statement zur Plenarsitzung „Europa und die Atomwaffen – welche Fortschritte gibt es?“ hatte am Freitag Egon Bahr übernommen. Der 89-jährige SPD-Politiker und ehemalige Minister für besondere Aufgaben, einer der Architekten der Bonner Ost- und Entspannungspolitik in den 70er Jahren, erheiterte die Teilnehmer der Konferenz mit Anekdoten aus seiner Zeit als Unterhändler in Moskau und Ost-Berlin. Das internationale Auditorium bedachte ihn mit langem Beifall. Moritz Rinke

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