Politik : Elf-Prozess: Sirven lächelt viel und redet wenig

Eric Bonse

In der "Sirven-Show" ist für vier Wochen der Vorhang gefallen. Erst am 12. März muss der ehemalige Elf-Manager und mutmaßliche Milliarden-Betrüger Alfred Sirven wieder vor Gericht erscheinen. Bis dahin kann sich der 74-jährige Franzose im Prominententrakt des Pariser Gefängnisses de la Santé in aller Ruhe auf seine Verteidigung vorbereiten. Dies gab die Vorsitzende Richterin Sophie Portier am Mittwoch nach rund halbstündiger Verhandlung in Paris bekannt.

Zuvor hatte sich "Sir Alfred" geschickt in Pose gesetzt. Wie schon bei seiner Blitz-Anhörung in der deutschen JVA Weiterstadt am Dienstag gab Sirven sich auch im Pariser Justizpalast jovial. In einem grauen Mantel und einem marinefarbenen Anzug gekleidet, schritt Sirven selbstbewusst auf die sechs Mitangeklagten im Elf-Prozess zu. Für Christine Deviers-Joncour hatte er sogar ein paar Küsschen übrig - die brünette Französin war durch seine Vermittlung an einen Millionen-Job beim ehemaligen französischen Mineralölkonzern Elf Aquitaine gelangt. Der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas hingegen ging Sirven demonstrativ aus dem Weg. Dumas soll von den Millionen seiner Ex-Geliebten Deviers-Joncour profitiert haben, was dieser allerdings standhaft leugnet.

Wer Recht hat und wer an der Veruntreuung von insgesamt drei Milliarden Franc(rund 1,5 Milliarden Mark) bei Elf Aquitaine beteiligt war, weiß vermutlich niemand besser als der mutmaßliche Drahtzieher Sirven. Gestern sagte der ehemalige Elf-Manager allerdings noch nicht zur Sache aus: "Ich bin hier, um der Justiz zu antworten", war seine einzige sachdienliche Erklärung. "Die Einlassungen von Herrn Sirven werden genauso zur Kenntnis genommen wie alle anderen auch, nicht mehr und nicht weniger", stellte Staatsanwalt Jean-Pierre Champrenault klar. Sirven, auf den die französische Justiz nach seiner Flucht drei Jahre lang gewartet hatte, soll im Pariser Elf-Prozess also nicht die Rolle eines "Superstars" spielen. Wegen Veruntreuung droht ihm eine Haftstrafe von fünf Jahren.

Sirven war am Freitag auf den Philippinen festgenommen und dann über Frankfurt am Main nach Paris gebracht worden. Nach seiner Ankunft wurde er sechs Stunden lang von den Ermittlungsrichtern der Elf-Affäre vernommen. Nach Angaben der französischen Justizministerin Marylise Lebranchu ergab diese erste Vernehmung "im Grunde" nichts. "Vorerst redet er wenig, lächelt und ist kooperativ, aber im Grunde gibt es wenig", sagte Lebranchu am Mittwoch dem Rundfunksender Europe 1.

Unterdessen wurde bekannt, daß Sirven trotz seiner spektakulären Abschiebung aus Deutschland wieder dem Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags zur Verfügung stehen wird. Dies teilten die französischen Behörden am Mittwoch mit. Der Ausschuss, der Sirven am Dienstag in der JVA Weiterstadt befragt hatte, werde Sirven "in Frankreich anhören" können, hieß es.

Zur Aufklärung der Affäre will der Ausschuss in Frankreich mehrere Zeugen vernehmen. Der Ausschuss-Vorsitzende Volker Neumann (SPD) sagte am Mittwoch, neben dem ehemaligen Elf-Manager Sirven solle möglichst auch der frühere Elf-Chef Loik Le Floch-Prigent angehört werden.

Die SPD hat den Unionsparteien im Zusammenhang mit dem missglückten Versuch, Sirven vor der Auslieferung nach Frankreich noch länger in Deutschland zu halten, "Scheingefechte" und "Ablenkungsmanöver" vorgeworfen. Der von CDU und CSU initiierte Antrag des Untersuchungsausschusses zur CDU-Spendenaffäre an das Bundesjustizministerium, Sirvens Auslieferung zu verzögern, hätte aus rechtlichen Gründen abgelehnt werden müssen, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt, am Mittwoch. Um Sirven länger in Deutschland behalten zu können, hätte ein Haftgrund vorliegen müssen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar