Elfi Padovan : "Die Palästinenser sind ein weiteres Holocaustopfer"

Elfi Padovan, Mitglied im Kreisvorstand der Linken in München, will mit einer neuen Gaza-Flottille die israelische Blockade brechen.

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Das Schiff "The Audacity of Hope" im Hafen von Athen in Griechenland, kurz vor der Abfahrt Richtung Gaza.Alle Bilder anzeigen
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01.07.2011 16:39Das Schiff "The Audacity of Hope" im Hafen von Athen in Griechenland, kurz vor der Abfahrt Richtung Gaza.

Sie fahren auf der umstrittenen Gaza-Flottille mit, die versucht, die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Weshalb haben Sie sich entschieden, auf einem der Schiffe mitzufahren?

Ich bin Mitglied der Linken und vom Bundesarbeitskreis der Linken "Gerechter Frieden in Nahost" zur Teilnahme an der Flottille delegiert. Seit etwa 40 Jahren arbeite ich in der deutschen Friedensbewegung mit. In tiefer Überzeugung stehe ich zu der Verantwortung Deutschlands für den Staat Israel. Nur das Land Palästina war bei Gründung Israels nicht menschenleer. Daher ist ein weiteres Volk leidgeprüftes Holocaustopfer geworden, für das wir sicher auch Verantwortung tragen. Die momentane israelische Regierung führt das Land immer weiter von einem gerechten Frieden in Nahost weg. Der Gaza-Krieg war ein großer Schock für alle Friedensbewegten.

Haben Sie keine Angst, dass Ihnen etwas passieren könnte? 

Natürlich habe ich auch Angst; da wir aber absolut gewaltfrei agieren wollen, sehe ich keinen Grund für schlimme Zwischenfälle.

Um wie viele Schiffe handelt es sich bei der Flottille?

Mehrere

Was transportieren die Schiffe?

Hilfsgüter, Medikamente, und uns.

Welches Ziel hat die Gaza-Flottille?
Wir wollen einen Impuls hin zu einem gerechten Frieden setzen. Von keinem Land der Welt verlangt man, sich mit humanitärer Hilfe in Abriegelung zufriedenzugeben.

Wieso werden die Hilfsgüter nicht über die ägyptisch-palästinensische Grenze transportiert, die zum Zeitpunkt der Flottille vom letzten Jahr noch geschlossen war?

Gaza kann nicht ewig ein Freiluftgefängnis bleiben, das verbietet die Humanität ebenso wie  das Völkerrecht. Es ist eine Frage von Gerechtigkeit und Menschenwürde, unter normalen Verhältnissen leben zu dürfen. Die Blockade schadet dem Friedensprozess enorm. Hass zeugt immer neuen Hass, eine schreckliche Spirale der Gewalt.

Von Anfang an hat um die Gaza-Flottille eine "Schlacht" um die Deutung der Aktion getobt. Ist die Aktion seit der Öffnung eine "reine Propagandaveranstaltung"?

Ich finde sehr traurig, wie eine humanitäre, friedensbewegte Aktion in der Presse diskreditiert und verleumdet wurde. Die momentane rechte israelische Regierung hat da viel Schlimmes verbreitet. Eine krasse Politik der Härte führt das Land weiter in den Abgrund. Das verfolgt letztlich nicht die Interessen der Bürger Israels.

Warum nimmt die Flottille das Angebot Israels nicht an, die Hilfsgüter in einem israelischen oder ägyptischen Hafen löschen zu lassen? Von dort könnten sie auf dem Landweg in den Gazastreifen transportiert werden, hat Israel erklärt. 

Bitte beachten Sie die unzähligen UN-Resolutionen, die eine Abriegelung eines Landstrichs für illegal erklärten. Von keinem Land der Welt verlangt man, das zu akzeptieren.

Kritiker werfen der Flottille vor, sich von Extremisten instrumentalisieren zu lassen. Hintergrund ist die Beteiligung der "Internationalen Humanitären Hilfsorganisation" (IHH) an der Flottille. Ihr wurde zuletzt von der Bundesregierung vorgeworfen, die Hamas zu unterstützen, zur Zeit läuft ein Verbotsverfahren gegen die Organisation. Heute ist bekannt gegeben worden, dass das IHH-Schiff nicht auslaufen wird, Grund seien technische Probleme.

Bei aller Neutralität - die Hamas ist eine demokratisch gewählte Regierung. Israel hat selbst zu ihrem Entstehen beigetragen als Gegengewicht zu Arafat. Ein gerechter Frieden kann nur wegführen vom Extremismus.

Inwiefern sind neben Menschenrechtsaktivisten auch radikale Gegner Israels beteiligt?

Habe keine kennen gelernt, halte das für ein Propagandagerücht.

Wenn es eine solche Beteiligung gibt, wie stehen sie ihr gegenüber?

Gibt es nicht, sonst würde ich aussteigen.

Das Gespräch führte Kaveh Kooroshy.

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