Politik : Elians Rückkehr: Feindbilder verblassen (Kommentar)

Armin Lehmann

Er heißt Juan Miguel Gonzalez. Er ist Kubaner. Und er hat gesprochen wie ein Staatsmann. Er dankte dem amerikanischen Volk. Mit ungewöhnlichen Worten. Er sagte, dass er eine Hoffnung habe: dass sich die USA und Kuba weiter annähern, in Freundschaft. Juan Miguel Gonzalez ist der Vater Elians. Er ist nur ein Vater, aber mit seinen Worten hat er Fidel Castro geschadet. Nicht nur die exilkubanischen Betonideologen in Miami sind die Verlierer dieses Dramas, sondern auch der kubanische Staatschef.

Castro hat getan, was er seit über 40 Jahren tut. Er hat auch im Fall Elian das Bild der bösen USA gezeichnet. Er hat die Menschen auf seiner Insel demonstrieren und kubanische Fähnchen schwenken lassen, sie mussten sogar über Nacht eine Bronzestatur des kubanischen Dichters José Martí mit einem kleinen Jungen auf dem Arm vor der US-Botschaft errichten - der Junge blickt von der Botschaft weg. Castro hat wie üblich die Vorzüge seines Sozialismus beschrieben. Aber er wird nicht verhindern können, dass die Menschen nun darüber nachdenken, warum der böse Amerikaner den US-Rechtsstaat verteidigt hat und sogar der US-Präsident am Ende öffentlich darüber nachdenkt, ob die Embargo-Politik gegen Kuba nicht falsch sei. Die Kubaner werden auch die Worte von Elians Vater im Kopf behalten.

Fidel Castro ist ohnehin der Verlierer - langfristig. Das hat nur wenig mit dem Fall Elian zu tun und viel mit der Entwicklung auf Kuba selbst. Eine Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten ist. Castro hat auf Grund der katastrophalen wirtschaftlichen Situation schon längst Zugeständnisse an den Markt machen müssen. Trotz des unsinnigen US-Embargos gibt es vor allem europäische Unternehmen, die auf Kuba investieren wollen. Die Tourismus-Industrie ist dabei naturgemäß am weitesten fortgeschritten. Mittlerweile dürfen in beschränkten Umfang aber auch Kubaner private Geschäfte aufmachen, es gibt Joint Ventures, freie Bauernmärkte, und die Einsicht, dass die aufgeblähte Bürokratie den Staat lähmt.

Und es gibt das Internet. Auch wenn die Zugänge noch immer zensiert werden, so wird das World Wide Web illegal kräftig genutzt. Dadurch erfährt vor allem die kubanische Jugend viel von dem, was Castro ihnen noch immer nicht sagen will. Dass diese Haltung falsch ist, hat beispielsweise BDI-Chef Hans-Olaf Henkel Castro unter vier Augen gesagt. Beim nächsten Besuch überreichte Castros Sohn dem Deutschen Industrievertreter prompt eine Visitenkarte mit E-Mail-Adresse.

Kuba öffnet sich also. Das hat auch damit zu tun, dass das Regime wieder mit der Welt ins Gespräch kommen will. Das funktioniert schon ganz gut. Die Europäer geben sich auf Kuba die Klinke in die Hand, die Lateinamerikaner sind ebenso daran interessiert, Kuba strategisch einzubinden, und die USA werden es sich ohnehin nicht mehr länger leisten wollen, den Europäern und den Japanern den kubanisch-karibischen Markt zu überlassen. Doch was ist mit Castro? Der kann nicht zwei Dinge gleichzeitig machen. Er kann nicht einerseits mehr Markt zulassen und andererseits weiterhin der große Revolutionär sein, das Symbol einer untergegangenen Ideolgie. Schon gar nicht, wenn der "Erbfeind" USA entideologisiert erscheint. Elian ist frei. Castro sitzt in der Falle.

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