Politik : Elians Rückkehr: Regierung in Havanna will die Beziehungen zu den USA nicht strapazieren

Sigrun Rottmann

Hunderte Schulkameraden aus der Heimatstadt Cardenas winkten mit Fähnchen und sangen die Nationalhymne, die Großeltern vergossen ein paar Freudentränen: Die Rückkehr des kubanischen Flüchtlingsjungen Elian Gonzalez auf die Karibikinsel am Mittwochabend verlief unspektakulär. Keine Pressekonferenz oder Fotopräsentation wurde angesetzt.

Die kubanische Regierung hielt Wort: Sie hatte schon vor Monaten versprochen, die Rückkehr Elians aus den USA nicht zu einem Medienspektakel zu machen und dem Jungen Zeit zu geben, sich in Ruhe an das Leben in seiner Heimat zu gewöhnen. So kam denn auch Fidel Castro nicht zum Flughafen, obwohl er die Rückkehr Elians als politischen Sieg und erfolgreichen Schlag gegen die Exilkubaner in Miami auffassen dürfte. Zur Begrüßung erschien stattdessen der Präsident der Volksversammlung, Ricardo Alarcon, der in den vergangenen Monaten mit der Lösung des "Falls Elian" beauftragt war.

Die Familienangehörigen in den USA und die kubanische Exilgemeinde in Miami hatten zuvor stets erklärt, die ertrunkene Mutter des Jungen habe offensichtlich den Verbleib des Jungen in den Vereinigten Staaten gewünscht, wo er in "Freiheit" und ohne wirtschaftliche und soziale Not aufwachsen könne. Der Fall führte zunächst zu heftigen Angriffen des kubanischen Präsidenten Fidel Castro gegen die US-amerikanische Regierung.

In Havanna soll sich der Sechsjährige zunächst einige Wochen mit seiner Familie und einigen Freunden ausruhen und sich auf das neue Schuljahr vorbereiten, bevor er in seinen Heimatort Cardenas etwa 150 Kilometer westlich der Hauptstadt zurückkehrt. In einer in der Zeitung "Granma" veröffentlichten amtlichen Mitteilung hieß es, Elian solle dort ein "normales" Leben führen.

Die Regierung in Havanna organisierte nach eigenen Angaben einen diskreten Empfang, um den kleinen Rückkehrer nicht zu verwirren oder ermüden. "Wir haben immer das Beste für den Jungen gewünscht", hieß es in einer offiziellen Mitteilung. "Wir wollen seine Ankunft nicht für Massenkundgebungen und Triumphzüge nutzen und damit unseren historischen Gegner, die USA, demütigen." Die Regierung in Havanna hatte aber schon seit Tagen erklärt, dass sich die Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten infolge der Rückkehr Elians verbessern würden. Der Kampf gegen das Wirtschaftsembargo sowie die großzügige Regelung Washingtons für kubanische Flüchtlinge gehe weiter. Für das Wochenende wurde eine Demonstration gegen die amerikanische Kuba-Politik angekündigt.

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