Politik : Elians Rückkehr: "Wir haben das Richtige getan"

Robert von Rimscha

Zwei Mal wurde Bill Clinton gefragt, ob sich Amerika im Umgang mit Elian Gonzalez richtig verhalten habe. Die erste Antwort erwähnte den Jungen erst gar nicht. So froh ist auch der US-Präsident, dass das Spektakel endlich vorbei ist.

Als nachgehakt wurde, kam Clinton dann doch ins Sinnieren. "Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass das Ganze weniger dramatisch und traumatisch abläuft." Doch viele Optionen habe die US-Regierung nicht gehabt. Dem Gesetz sei Genüge getan worden, ein liebender Vater habe seinen Sohn wieder. Als Gegensatz fiel Clinton Deutschland ein. "Ich habe gerade mit Kanzler Schröder über die ernsten Schwierigkeiten bei der Rückführung von Kindern gesprochen. Das überzeugt mich erst recht, dass wir das Richtige getan haben." Amerika habe gezeigt, wie internationale Sorgerechtsprobleme zu lösen seien.

Zu diesem Zeitpunkt packte Elians Familie noch ihre Sachen. Die Nachbarn applaudierten, als der Konvoi zum Flughafen aufbrach. Auch sie harren der Post-Elian-Ruhe.

Das war um 15 Uhr 01 US-Ortszeit. Um 16 Uhr 13 pries Vater Juan Miguel die kommende amerikanisch-kubanische Freundschaft. Dann winkte er erst und reckte danach die Faust. Um 16 Uhr 41 war er mit jenem Kind, das auf einem Boot, einem Autoschlauch und im Trawler der Küstenwache gekommen war, auf dem Weg zurück in die Heimat.

Dann traten die Verlierer auf. "Das Interesse von Big Business, ein paar Hühner und ein bisschen Reis nach Kuba zu verkaufen, ist offenbar wichtiger als die Freiheit eines Kindes", ereiferte sich Manny Diaz, einer in der Phalanx der Anwälte, die Großonkel Lazaro Gonzalez in Miami vertraten. Er wünschte die Clinton-Regierung dafür "in den heißesten Ort der Hölle". Der Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen. Neben dem Jahrzehnte alten Kuba-Embargo gibt es drei aktuelle Standbeine der US-Politik. Da ist zunächst der "Cuban Democracy Act" aus der Präsidentschaft von George Bush, der eine Annäherung in präzise definierten kleinen Schritten vorsah. Das Tauwetter war vorbei, als Kubas Luftwaffe zwei Kleinflugzeuge protestierender Exilkubaner abschoss. "Dieser Mord veränderte alles", sagte Clinton am Mittwoch. Als Vergeltung wurde das Helms-Burton-Gesetz verabschiedet, das nicht nur Amerikaner, sondern auch Europäer bestraft, die mit Castro Handel treiben.

Clinton hat gegen Helms-Burton eine erneute kleine Annäherung durchgesetzt. Gegenwärtig liegt ein Gesetzentwurf im Kongress, der den Verkauf von Nahrung und Arznei legalisieren würde. Clinton befürwortet die Initiative, prüft aber noch, ob die Republikaner als Kehrseite der Lockerung nicht eben jenen Austausch von Sportlern und Wissenschaftlern wieder einschränken, an dem ihm so viel liegt. "Ich mag den Cuban Democracy Act", bekennt Clinton. Helms-Burton würde er gern loswerden, das vollständige Embargo aber zunächst nicht. Clinton weiß, was er braucht: "Eine überparteiliche Mehrheit im Kongress muss überzeugt werden, dass sich Kubas Regierung bewegt".

"Bislang galt, dass Amerikas Kuba-Politik den Exilkubanern überlassen wurde", meint Polit-Analytiker Bill Schneider. "Dies bedeutete, dass ein paar Kuba-stämmige Republikaner aus Florida Washington diktierten, wie mit Castro umzugehen ist. Das ist vorbei." Die Mutter gab ihr Leben für die Freiheit - der Sohn wird in die kommunistische Diktatur zurückgeschickt: Auf diesen Nenner bringt Miami das siebenmonatige Ringen. Und ist damit stärker marginalisiert als je zuvor.

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