Elterngeld : Von der Leyen hofft auf Trendwende bei Geburten

Familienministerin Ursula von der Leyen setzt große Hoffnungen in das ab Januar geltende Elterngeld. Bischof Wolfgang Huber forderte unterdessen einen gleitenden Übergang vom Erziehungsgeld zum Elterngeld.

Berlin - Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hofft angesichts des Elterngeldes für das kommende Jahr auf eine Trendwende bei dem seit Jahren anhaltenden Geburtenrückgang. "Das Elterngeld ist ein ganz wichtiger Baustein einer modernen Familienpolitik und hat auch eine große gesellschaftspolitische Bedeutung", sagte sie. Zum ersten Mal werde "deutlich das Signal ausgegeben, dass es der Gesellschaft nicht gleichgültig ist, wenn junge Eltern sich die Zeit für ein Kind nehmen und dabei einen Einkommensverlust haben". Zudem werde durch die Partnermonate die gemeinsame Verantwortung von Müttern und Vätern für die Erziehung hervorgehoben.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, forderte einen Mentalitätswechsel. Das Ja zu Kindern werde durch viele Dinge erschwert. "So lange junge berufstätige Frauen den Vorhalt ihres Vorgesetzten fürchten müssen, eine Schwangerschaft komme gerade jetzt zum falschen Zeitpunkt, so lange hat die aktivste Familienpolitik kaum eine Chance", sagte Huber.

Der Bischof brachte zugleich einen gleitenden Übergang vom alten Erziehungsgeld zum neuen Elterngeld ins Gespräch, um finanzielle Nachteile für junge Familien zu verhindern. Demnach sollten jene Eltern, die zwischen dem 24. Dezember 2006 und dem 6. Januar 2007 ein Kind bekommen, frei wählen können, ob sie Elterngeld oder Erziehungsgeld haben wollen. Damit würde der Druck von vielen Müttern genommen, die Geburt ihres Kindes noch hinauszuzögern.

Bangen um den Geburtstermin

Huber gab zu bedenken, dass - je nach Einkommenslage - die einen noch vom Erziehungsgeld profitieren und die anderen in den Genuss des neuen Elterngeldes kommen wollten. Weil der Übergang zum Elterngeld zum 1. Januar 2007 geplant sei, zitterten jetzt viele wegen des Geburtstermins. Huber sagte, es sollte auch für Kinder, die zwischen Heiligabend und Silvester geboren werden, das neue Elterngeld beantragt werden können. Und auch für die Kinder, die zwischen dem 1. und dem 6. Januar 2007 geboren werden, sollte ein Antrag auf das bisherige Erziehungsgeld gestellt werden können. Nach Ansicht Hubers wäre das "ein unbürokratischer, ein weihnachtlicher Weg".

Für unerlässlich in einer familienfreundlichen Gesellschaft hält Ministerin Leyen auch Ganztagsschulen. Die Begrenzung der Lernzeit auf den Vormittag nehme den Kindern Chancen. Sie argumentierte: "Die Halbtagsschule geht ja davon aus, dass zu Hause jemand ist, der ganz hohes Interesse an Bildung, aber auch Zeit und vor allen Dingen Geld hat, die Bildung privat zu organisieren, die der Staat den Kindern vorenthält." Sie verwies zudem darauf, dass jedes dritte Kind unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund habe. Auch diese Kinder müssten eine Chance bekommen, "ihre Fähigkeiten so zu entfalten, dass sie später unser Land mittragen". (Von Peter Kosfeld, ddp)

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