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Emanzipationsbewegungen : Die lange Tradition der Schlampenmärsche

Von Andrea Dernbach
"Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse kommen überall hin": Die Slutwalks – hier in Edinburgh – machen mit einer alten Weisheit der Frauenbewegung neu Ernst. Foto: REUTERSBild vergrößern
"Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse kommen überall hin": Die Slutwalks – hier in Edinburgh – machen mit einer alten Weisheit der Frauenbewegung neu Ernst. - Foto: REUTERS

Der provokante Auftritt bei den Slutwalks ist keine Neuerfindung. Die Netzstrumpfrevolte hat historische Vorbilder in der Frauenbewegung.

Berlin - Ob so die neueste Frauenbewegung aussieht? Vor vierzig Jahren feierlich den BH verbrannt, inzwischen geht nicht nur kaum eine mehr oben ohne: Das Zeug kann auch gar nicht pushy genug sein. Und dazu versteckt frau sich nicht mehr in frauenbewegtem Wallelook wie einst nach dem Mai ’68, sondern trägt enge Tops, Minis, schwindelhohe Absätze und blutrote Lippen. Was sonst privat ist, soll nun in mehreren deutschen Städten politisch werden: In Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main, Dortmund und Stuttgart wollen sie heute auf „Schlampenmärschen“ ein Zeichen setzen, „für sexuelle Selbstbestimmung und gegen Verharmlosung sexueller Gewalt“, wie es auf der Berliner Website Slutwalkberlin.de heißt.

Allein für die Hauptstadt erwarten die Veranstalterinnen 3000 Teilnehmerinnen.

Die Bewegung ist noch sehr jung. Sie entstand im Frühjahr aus der Wut über einen kanadischen Polizisten, der den Frauen vorhielt, sie sollten sich nicht wie Schlampen kleiden, dann würden sie auch nicht vergewaltigt. Ihm und anderen, die so denken, antworten seither Frauen aus aller Welt, die in Strapsen und Highheels ebenso wie in Kostüm und Businessdress für ihr Recht auf die Straße gehen. „Mein kleines Schwarzes ist kein Ja“, heißt es auf ihren Plakaten. „Nur weil ich deine Aufmerksamkeit habe, hast du nicht meine Zustimmung“ oder auch „Natürlich will ich’s, aber nicht von dir“. Und sie rufen dazu auf, nicht zu fordern: „Lass dich nicht vergewaltigen“, sondern „Vergewaltige nicht!“

Video: Eindrücke und Stimmen des Slutwalk 2012 in Berlin

Wo Politik mit so viel Körpereinsatz gemacht wird, ist ihr Medienaufmerksamkeit so gut wie sicher. Die Reaktionen zeugen aber oft von deutlichem Widerwillen: „Ist das wirklich der richtige Weg, auf diese Missstände aufmerksam zu machen“, fragte kürzlich pikiert die konservative „Welt“. Da gebe es doch so viel Wichtigeres – die Berufschancen der Frauen, die Kinderbetreuung, die gerechte Aufteilung der Hausarbeit. Aber auch innerhalb der Frauenszene hat die angriffslustige Strategie der „Schlampen“ nicht nur Zustimmung: Die Frage sei doch, „ob die Mittel stimmen“, heißt es zum Beispiel auf „Mädchenblog“: „Ist es emanzipatorisch, das Wort ,Schlampe’ durch Selbstbezeichnung und Neuinszenierung aus der patriarchalen Schmuddelecke zu holen? Und sind High-Heels, Miniröcke und Netzstrümpfe für Frauenbefreiung wirklich notwendig?“

Wird das Wort "Schlampe" einen Bedeutungswandel erfahren? Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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