Politik : Embryonenschutzgesetz: "3000 überzählige Embryonen in deutschen Kliniken"

In Deutschland gibt es nach Angaben des CDU-Europapolitikers Peter Liese rund 3000 "überzählige" Embryonen, die nicht für künstliche Befruchtungen verwendet werden. Da das deutsche Recht verbrauchende Embryonenforschung verbiete, wisse niemand "so richtig", was mit diesen Embryonen geschehen solle, sagte Liese, der Vorsitzender der Arbeitsgruppe Bioethik der Fraktion der Christdemokraten im Europäischen Parlament ist, am Montag in Berlin. Die geschätzte Zahl von 3000 Fällen lasse sich nicht konkretisieren, weil "natürlich keine Klinik zugeben würde, dass es in ihrem Haus solche Fälle gibt und Embryonen vorliegen". Jeder Klinikchef sei absolut daran interessiert, solche Fälle unter den Tisch zu kehren.

Bei strenger Anwendung des Embryonenschutzgesetzes dürften eigentlich keine überzähligen Embryonen entstehen, erläuterte Liese, der selbst Mediziner ist. Er verfüge aber über zuverlässige Informationen, dass die Vorschrift, nach der nur so viele Embryonen erzeugt werden dürften, wie eingepflanzt werden sollten, nicht eingehalten werde. Offensichtlich würden "immer wieder" Embryonen einfach eingefroren.

Liese äußerte sich auch zu den Berichten über die Produktion eines Mischlebewesens aus Mensch und Tier. Sollten die Berichte zutreffen, wäre das ein "unglaublicher Skandal", sagte er. Es sei unverantwortlich, wenn Forscher ein solches Wesen herstellten und dazu auch noch ein Patent beantragten. Allerdings sei die "Behauptung" von Greenpeace unzutreffend, dass dieses Patent nach der Europäischen Patentrichtlinie ohne weiteres erteilt werden könnte. Die Richtlinie sei in dieser Frage sehr eindeutig und untersage eine solche Patentierung.

Der CDU-Politiker forderte die Bundesregierung auf, sich angesichts der häufenden Berichte über spektakuläre Versuche im Bereich der Embryonenforschung und der Ankündigung Londons, das "therapeutische Klonen" zuzulassen, auf europäischer Ebene stärker zu engagieren.

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