Emotional und grundsätzlich : Die PID-Debatte im Bundestag

08.07.2011 13:09 UhrVon Armin Lehmann
Der menschliche Embryo. Künftig können in Deutschland genetisch vorbelastete Paare ihre im Reagenzglas erzeugten Embryonen auf mögliche Krankheiten untersuchen lassen. Foto: dapd
Der menschliche Embryo. Künftig können in Deutschland genetisch vorbelastete Paare ihre im Reagenzglas erzeugten Embryonen auf mögliche Krankheiten untersuchen lassen. - Foto: dapd

37 Redner, vier Stunden Debatte – mit welchen Argumenten die Bundestagsabgeordneten über die umstrittene Präimplantationsdiagnostik stritten.

Berlin - Sie war die letzte von 37 Rednern, und auch wenn sie als Abgeordnete sprach, so war sie doch die einzige Ministerin aus der schwarz-gelben Koalition, die sich am Donnerstag zum Thema äußerte. Ursula von der Leyen, CDU, trat also um exakt 12 Uhr 49 vor das Mikrofon im Deutschen Bundestag, die Zuschauerreihen und das Plenum waren voll, und als sie so redete, wurde man von dem Gefühl erfasst, dass da eine Politikerin steht, der man das gewisse Gespür für den richtigen Moment nun wirklich nicht absprechen kann.

Natürlich ging es bei dieser Diskussion nicht um die Arbeitsministerin und schon gar nicht um ihre politischen Ambitionen, es ging um die Frage, ob man die umstrittene Präimplantationsdiagnostik, PID, per Gesetz in Grenzen zulassen oder verbieten soll.

Doch dem letzten Redner wichtiger Debatten kann es gelingen, nochmals Akzente zu setzen, gerade wenn das Plenum müde ist von den sich oft wiederholenden Argumenten und der Vielzahl der Redner. Leyen schaffte es, Aufmerksamkeit zu gewinnen, als sie von ihren Erlebnissen als junge Ärztin auf einer Geburtsstation erzählte und sagte: „Die Wucht des Schicksals haben mich still werden lassen.“

Die Wucht des Schicksals könnte ohnehin nur derjenige an Leib und Seele spüren, sagte sie, die betroffen seien. Und diesen Menschen, den Paaren, die dann in der Verantwortung stehen, „vor Gott und dem ungeborenen Leben“, wie Leyen es ausdrückte, müsse man einen gesetzlichen Rahmen geben. Deshalb sei sie für die PID. Dann kam Leyens entscheidender Satz, der womöglich den einen oder anderen Zweifler überzeugte, dem Antrag der begrenzten Zulassung zuzustimmen: „Ein Totalverbot geht von einem bevormundeten Menschen aus, wir gehen von einem mündigen Bürger aus.“

Mit diesem letzten Satz – ein sicherlich schmerzhafter Satz für die Verbotsbefürworter in Leyens eigener Partei, zu denen seit letztem Jahr auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gehörte – traf sie den Kern der Debatte. Sie machte die Entscheidung zur Haltungsfrage: Grundsätzlich verbieten oder darauf vertrauen, dass die Verantwortung aller Beteiligten und der gesunde Menschenverstand groß genug sind, um Missbrauch einzugrenzen?

Welche Argumente in der Bundestagsdebatte vorgetragen wurden, lesen Sie auf Seite 2.

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