Politik : Emotionen schaden dem kühlen Kompromiss (Kommentar)

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An Versuchen, die schwierigen Verhandlungen um die Einrichtung eines Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft zu Gunsten von NS-Opfern zu emotionalisieren, hat es nicht gefehlt. Letztlich stammt auch das ursprünglich für eine Einigung zwischen Opfer-Anwälten, der Bundesregierung und der deutschen Industrie angestrebte Datum des 1. September aus dem Fundus der großen Emotionen. Eine Lösung des juristischen Tauziehens auf beiden Seiten des Atlantiks pünktlich zum 60. Jahrestag des Kriegsausbruchs - die Symbolwirkung war wohl kalkuliert. Von der Last, ihre Gespräche pünktlich zum 1. September abzuschließen, sind alle, die sich heute in Bonn zu einer erneuten Verhandlungsrunde zusammenfinden, nun glücklicherweise befreit. Pünktlich zum Beginn dieser als entscheidend deklarierten Bonner Runde ist aber ein Vorwurf gegen Schröders Entschädigungs-Beauftragten Otto Graf Lambsdorff aufgetaucht, der aus der Mottenkiste der bundesrepublikanischen Frühgeschichte stammt. Selbst die Anwälte, die die Entschädigungsansprüche der Holocaust-Opfer und ihrer Nachkommen vertreten, weigern sich, aus den Vorwürfen des Auschwitz-Komitees Kapital zu schlagen. Lambsdorff als "Helfershelfer von Nazi-Kriegsverbrechern": Zu durchsichtig ist der Versuch, die Stimmung in Bonn noch einmal kräftig anzuheizen. Der kühle Kompromiss, auf den es jetzt ankommt, braucht aber keine zusätzlichen Emotionen.

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