Politik : Empörung über den Einsatz von Streumunition

Gaddafis Truppen belagern die Küstenstadt Misrata seit drei Tagen / Tochter Aisha macht Stimmung

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Madrid/Tripolis - In der Schlacht um die libysche Rebellenhochburg Misrata schreckt Machthaber Muammar al Gaddafi Menschenrechtlern zufolge vor Streubombenangriffen nicht zurück. Human Rights Watch berichtete, in mindestens drei Fällen sei Streumunition auf Wohngebiete von Misrata abgefeuert worden. Libyens Regierung bestritt den Einsatz dieser international weitgehend geächteten Geschosse. Am Samstag hielten Gaddafis Truppen Misrata den dritten Tag in Folge unter schwerem Beschuss: In der im Westen des Landes isolierten Rebellenbastion schlugen nach Angaben von Aufständischen mindestens 100 Raketen ein.

Der Einsatz von Streumunition sei schockierend, sagte der Waffenexperte von Human Rights Watch, Steve Goose. „Sie bedeutet eine riesige Gefahr für die Zivilbevölkerung.“ Streubomben öffnen sich nach dem Abfeuern und geben eine Vielzahl kleinerer Geschosse frei. Viele dieser Sprengsätze explodieren nicht sofort und sind noch nach Jahren eine Gefahr. Bei der Munition handelt es sich den Menschenrechtlern zufolge um spanische Fabrikate.

Am Samstag traf nach Angaben der libyschen Regierung ein Rot-Kreuz-Team in Misrata ein. Das Rote Kreuz hatte am Montag angekündigt, Helfer zu schicken, um die dort eingekesselte Zivilbevölkerung zu unterstützen. Am späten Freitagabend brachte das Schiff einer anderen Hilfsorganisation fast 1200 Menschen aus Misrata nach Bengasi im Osten des Landes. Bis zu 10 000 Zivilisten müssten aus Misrata evakuiert werden, erklärte die Internationale Organisation für Migration. Bei Angriffen der Gaddafi-Truppen auf die Aufständischen wurden im Osten des Landes nach Ärzteangaben mindestens sechs Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Die Regierungstruppen hätten Stellungen der Rebellen auf der Straße von Adschdabija nach Brega angegriffen, sagte ein Mitarbeiter des Krankenhauses von Adschdabija, in das die Opfer gebracht worden waren. Adschdabija wird von den Rebellen kontrolliert, die Ölstadt Brega liegt etwa 80 Kilometer entfernt.

Gaddafi stützt sich für seine Propaganda inzwischen nicht mehr allein auf seinen ältesten Sohn. „Wir sind ein Volk, das nicht besiegt werden kann“, rief Aisha Gaddafi handverlesenen jubelnden Anhängern in Tripolis zu. Und wer ihren Vater nicht möge, „der verdient nicht zu leben“. Die 34-Jährige, Gaddafis einzige Tochter, winkte zufrieden herab, rückte ihr grünes Kopftuch, unter dem sie ihr langes Haar verbarg, kokett zurecht. Die gelernte Anwältin fiel in jungen Jahren vor allem mit schrillen Sonnenbrillen auf. Inzwischen ist sie Mutter dreier Kinder. 2009 schaffte es Libyens Vorzeige-Lady, zur Ehrenbotschafterin des UN-Entwicklungsprogramms ernannt zu werden. Sie kämpfte gegen die Unterdrückung von Frauen in der arabischen Welt. Vor zwei Monaten trennten sich die UN von ihrer Botschafterin Aisha. AFP/rtr/ze

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