Politik : Empörung über Schröder eint die Union

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Berlin - Die scharfe Kritik von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) an SPD-Linken, Gewerkschaften und der Führungsfähigkeit seiner Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) hat eine Flut empörter Reaktionen ausgelöst. Merkel selbst ließ über Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erkennen, dass sie auf Schröders Vorwürfe nicht eingehen werde. Wilhelm sagte, die Kanzlerin sehe es nicht als ihre Aufgabe, ein Urteil über die Bewertungen ihres Vorgängers abzugeben.

Andere Unionspolitiker warfen Schröder aber vor, ein schlechter Verlierer zu sein. „Wie man eine Karriere beendet, das hat man sehr gut an Michael Schumacher gesehen“, sagte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. CSU-Generalsekretär Markus Söder nannte Schröders Äußerungen in seiner Biografie und mehreren Interviews „arrogant und überheblich“.

SPD-Linke und Gewerkschafter wiesen die Schuldzuweisung für das vorzeitige Ende von Rot-Grün zurück. Die frühere DGB-Vizevorsitzende Ursula Engelen-Kefer sagte, das sei „dummes Zeug“. Richtig sei, dass sich in den Gewerkschaften Enttäuschung über einen Kurs der Steuergeschenke an Unternehmer bei gleichzeitiger Belastung der Arbeitnehmer breitgemacht habe. Der Sprecher der SPD-Linken im Bundestag, Ernst-Dieter Rossmann, sagte, die Linke habe Schröder in Situationen, in denen es „Spitz auf Knopf ging“, nie im Stich gelassen: „Wir sind für ihn durchs Feuer gegangen.“

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck wies die Kritik an Schröder als überzogen zurück, machte sich aber dessen Angriffe auf die eigene Partei und die Gewerkschaften nicht zu eigen. Dies sei Schröders Betrachtung, „und ich respektiere das“, sagte Beck nach einer Vorstandssitzung. Auch Schröders Fundamentalkritik an der Gesundheitsreform teile er nicht. Allerdings sei der Gesundheitsfonds – den Schröder als „bürokratisches Monster“ verurteilt hatte – auch „nicht auf dem Mist“ der SPD gewachsen. bib/has

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