Politik : Ende der Irrfahrt: Verwirrung um Kindersklaven an Bord der "Etireno"

Die zweiwöchige Irrfahrt eines vor Westafrika kreuzenden Schiffs mit mutmaßlichen Kindersklaven an Bord ist beendet: Am Dienstag ging der Frachter "Etireno" in Benin vor Anker. Eine Unicef-Sprecherin sprach von einem "glücklichen Ende". Unter den insgesamt 147 Passagieren habe sie keine "leidenden Kinder" gesehen. Es seien weniger als 30 Jugendliche an Bord gewesen. Unicef hatte zuvor von bis zu 250 Kindersklaven gesprochen. Ob die Heranwachsenden an Bord der "Etireno" Opfer von Menschenhändlern wurden, blieb weiter unklar. Die Sprecherin räumte aber ein, vor der Küste kreuze möglicherweise noch ein zweites Schiff mit Kindern. In Westafrika gibt es einen schwunghaften Handel mit Kindern, die als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.

Die erschöpften Passagiere der "Etireno" wurden am frühen Dienstagmorgen im Hafen von Cotonou von Vertretern von Hilfsorganisationen, des örtlichen Roten Kreuzes, der Polizei sowie zwei Mitgliedern der Regierung von Benin in Empfang genommen. "Leider hatte niemand von ihnen Papiere", sagte die Unicef-Sprecherin. "Es lässt sich daher nur schwer feststellen, zu wem sie gehören. Eine Vertreterin der Hilfsorganisation terre des hommes sagte, in Einzelgesprächen mit den Jugendlichen müsse nun geklärt werden, ob sie Opfer von Sklavenhändlern geworden seien. Nach ihren Angaben waren 23 ugendliche im Alter von fünf bis 14 Jahren und rund 20 an Bord. Offenbar seien jedoch einige von ihnen in Begleitung ihrer Eltern gewesen.

Das Schiff war zwei Wochen lang vor der Westküste Afrikas umhergeirrt. Die Behörden Kameruns und Gabuns hatten das Schiff in ihren Häfen abgewiesen. Gegen den beninischen Kapitän und die Crew laufen inzwischen internationale Haftbefehle.

Nach Angaben von terre des hommes Deutschland ist der Fall der "Etinero" für Westafrika typisch. Die Zahl der Kinder, die unter falschen Versprechungen Opfer krimineller Schlepper würden, gehe in die Zehntausende, erklärte die Organisation in Osnabrück. Betroffen sind der Hilfsorganisation zufolge zum einen rund 20 000 Kinder aus Mali. Sie würden auf den Plantagen der Elfenbeinküste zur Arbeit gezwungen. Auf einer zweiten Route des Kinderhandels würden Jungen und Mädchen aus Benin und Togo nach Gabun und Nigeria geschafft.

Der deutsche Unicef-Sprecher Rudi Tarneden sagte im ZDF, viele Familien in Westafrika gäben ihre Kinder gutgläubig in die Hand von Kriminellen, die ihnen Arbeit versprächen. Um den Kinderhandel zu begrenzen sei es wichtig, für arme Familien alternative Einkommensquellen zu schaffen.

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