Ende der Sanktionen : Russische Waffen für Iran

Schon in der kommenden Woche könnte er unterzeichnet werden: Der neue Vertrag, mit dem Moskau sich zur Lieferung modernster Luftabwehr-Systeme an Iran verpflichtet. Ganz ungetrübt ist das Verhältnis der beiden Länder aber nicht.

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Wladimir Putin (r.) und Hassan Rohani Foto: dpa
Wladimir Putin (r.) und Hassan RohaniFoto: dpa

Schon in der kommenden Woche könnte er unterzeichnet werden: Der neue Vertrag, mit dem Moskau sich zur Lieferung modernster Luftabwehr-Systeme an Iran verpflichtet. Er soll dem staatlichen Rüstungsexporteur Rosoboronexport über eine Milliarde US-Dollar in die Kassen spülen. Das Geschäft war schon für 2007 geplant. Doch UN-Sanktionen verhinderten wegen Teherans umstrittenem Kernforschungsprogramm und aus Rücksicht auf Israel den Deal. Iran klagte vor dem Internationalen Schiedsgericht und erstritt Entschädigungen in Höhe von vier Milliarden USD, forderte diese jedoch nie ein und ließ Moskau wissen, man wolle statt Geld Waffen.

Kurz nach dem Durchbruch bei den Wiener Verhandlungen der Fünf-UN-Vetomächte plus Deutschland mit Iran im Juni gab Kremlchef Wladimir Putin grünes Licht. Doch die vier S-400-Systeme fallen in die Kategorie „strategische Rüstungen“ und damit unter jene Sanktionen, die erst in fünf Jahren aufgehoben werden. Vorausgesetzt, die Madschlis – das iranische Parlament – ratifiziert das Wiener Abkommen. Doch selbst wenn: Ob es weitere Rüstungsgeschäfte mit den Ajatollahs gibt, wie Moskau hofft, ist so sicher nicht.

Ungetrübt ist das Verhältnis nicht

Zwar unterzeichneten die Verteidigungsminister beider Länder schon im Januar ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit. Doch russische Rüstungsschmieden müssen sich auf dem iranischen Markt künftig mit westlichen Exporteuren messen und sogar mit Moskaus strategischem Partner China.

Ganz ungetrübt ist das Verhältnis der beiden Länder nicht: Beide konkurrieren seit Jahrhunderten um den Einfluss im Südkaukasus und in Zentralasien. Jetzt stehen sie beim Streit um die Teilung der öl- und gasreichen Kaspi-See auf unterschiedlichen Seiten der Barrikade. Rivalitäten bei Energie-Exporten, mit deren Erlösen sich der russische Haushalt weitgehend finanziert, könnten die Freundschaft weiter strapazieren. Nach Ende der Sanktionen, glauben Moskauer Analysten, könnte Iran die Ölförderung auf bis zu 300 000 Barrel pro Tag hochfahren.

Eine Steigerung des weltweiten Angebots von zehn Prozent. Ähnliches droht bei Gas. Iran verfügt über die weltweit größten Reserven, Russland ist die Nummer zwei. Die geografische Lage erlaubt beiden, sowohl Europa als auch Asien zu beliefern. Die gute Nachricht für Moskau: Für die Erschließung neuer Vorkommen und den Bau von Pipelines könnte Iran bis zu zehn Jahren brauchen. Die schlechte Nachricht: Verträge über Bau und Lieferung von Röhren und Fördertechnik dürfte Teheran mit westlichen Konzernen abschließen.

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