Politik : Endlich in der Gegenwelt

Zum ersten Mal haben Forscher in einem Labor in Genf eine größere Menge Antimaterie hergestellt

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Von Thomas de Padova

Am Anfang war der Urknall. Er brachte Materie und Antimaterie hervor. Letztere löste sich jedoch nach kurzem Aufflackern sofort wieder auf. Sie verband sich mit der gewöhnlichen Materie, und beide löschten sich gegenseitig in einem Blitz aus. Nur ein bisschen herkömmliche Materie blieb seltsamerweise übrig. Daraus entstand unser Universum.

Jetzt erlebt die Antimaterie ein sensationelles Comeback. In einem Labor in Genf hat eine europäische Forschergruppe erstmals größere Mengen Antimaterie hergestellt. 50 000 Anti-Wasserstoffatome haben die Forscher aus Teilen zusammengesetzt: Anti-Elektronen und Anti-Kernbausteine, die sich nur durch ihre elektrische Ladung von normaler Materie unterscheiden.

Bis dato hatten Forscher den Widerwillen dieser Antiteilchen, sich zu Anti-Atomen zu paaren, nicht überwinden können. Die Antipartikel hegten aber keine Antipathien gegeneinander. Sie waren schlicht zu schnell. „Ein Heiratsinstitut würde auch nicht funktionieren, wenn alle auf Roller-Skates vorbeigefahren kämen“, sagt der Leiter des Experiments, Rolf Landua. „Man braucht schon Zeit, sich kennen zu lernen.“ Die Crux des Experiments war es, die Antiteilchen zu bremsen und in eine Falle zu sperren. Das ist Landua nun gelungen.

Damit ist zum ersten Mal der Weg für ein genaues Studium der Antimaterie offen. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich Materie und Antimaterie unterscheiden: Ob sie wirklich spiegelbildlich zueinander sind oder ob Antimaterie nicht vielleicht, statt nach unten zu fallen, nach oben fällt.

Die Antimaterie weckt auch Ängste. Ein einziges Gramm davon hätte die Sprengkraft einer Hiroshima-Bombe. Auch eine Raumsonde ließe sich damit enorm beschleunigen. „Aber selbst wenn wir alle Energievorräte der Erde hätten, bräuchten wir immer noch eine Million Jahre, um nur ein Gramm Antimaterie herzustellen“, sagt Landua. 50 000 kleine Anti-Atome sind milliarden-milliardenmal weniger – und trotzdem für die Forschung eine Riesensache.

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