Politik : Energie sparen: Wohnen im Sieben-Liter-Haus

Carsten Germis

Nach dem Drei-Liter-Auto soll nun nach dem Willen der rot-grünen Bundesregierung auch das "Sieben-Liter-Haus" kommen. Sieben Liter Heizöl pro Quadratmeter pro Jahr soll die Grenze sein, die beim Energieverbrauch gesetzt wird. Derzeit liegt der Verbrauch bei etwa zehn Liter.

Um das Sparziel zu erreichen, plant die Bundesregierung eine Energieeinsparverordnung, für die seit Mittwoch der Referentenentwurf aus dem Wirtschafts- und aus dem Bauministerium vorliegt. Demnach soll der Energiebedarf für Neubauten durch entsprechende Bauweisen ab 2002 um 30 Prozent gesenkt werden, teilten Bauminister Kurt Bodewig (SPD) und Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) in Berlin mit. In der Praxis bedeutet das, dass ein Neubau einen bestimmten, rechnerisch ermittelten Bedarf an Primärenergie für Heizung, Lüftung und Warmwasser nicht überschreiten darf.

Die Architekten könnten künftig je nach Haustyp eine Lösung aus Wärmeschutz der Wände und Dächer und moderner Heiztechnik finden. Bodewig bezifferte die Mehrkosten, die sich für Bauherren daraus ergeben, auf etwa 1,5 bis zwei Prozent der derzeitigen Baukosten. "Durch Energieeinsparung wird das aber in einem sehr kurzen Zeitraum wieder amortisiert", sagte der Bauminister.

Die für Neubauten vorgesehene Pflicht, den Primärenergiebedarf genau zu berechnen, führt dazu, dass die Energiebilanz eines Gebäudes künftig in einem "Energiebedarfsausweis" dokumentiert wird. Für Altbauten kann ein solcher Energiepass auf freiwilliger Basis erstellt werden. Da etwa ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland für die Heizwärme verbraucht wird, will die Bundesregierung zudem alle alten Heizkessel bis Ende 2005 oder 2008 ausgetauscht sehen. "Die Nachrüstungsverpflichtungen betreffen insbesondere den Ersatz der vor dem 1. Oktober 1978 eingebauten Heizkessel", erklärte Wirtschaftsminister Müller. 3,5 Millionen Exemplare gibt es nach seinen Angaben davon noch in der Bundesrepublik.

Außerdem sollen in Altbauten bis Ende 2005 alle ungedämmten Rohrleitungen für die Wärmeverteilung und für Warmwasser isoliert werden. Energie sparende Dämmung wird auch für die Dachgeschosse vorgeschrieben, auch für solche, die nicht ausgebaut sind.

Durch diese, wie Müller es nannte, "leichten Zwangsmaßnahmen" erhofft sich die Bundesregierung, den Kohlendioxid-Ausstoß um zehn Millionen Tonnen im Jahr zu reduzieren. Dieser Wert sei "in das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung eingerechnet", meinte Müller. Modernisierungskosten können vom Vermieter bekanntlich teilweise auf die Miete umgelegt werden. Bodewig erwartet dennoch nicht, dass die Mieten steigen. Da nach dem Umbau die Nebenkosten sinken, "erwarte ich unter dem Strich eine deutlich geringere Belastung der Mieter", sagte er.

Dadurch, dass der Energiebedarf sich künftig am Primärenergiebedarf orientiert, will die Regierung mit der Verordnung bei der "edlen" Energie Strom sparen. Elektrospeicherheizungen sollten aus dem Bestand eliminiert werden, erklärte Müller. Geplant ist, dass die "Verordnung über energie sparenden Wärmeschutz und energie sparende Anlagentechnik bei Gebäuden" im Jahr 2002 in Kraft tritt. Im Februar des kommenden Jahren soll sich das Bundeskabinett damit befassen, danach der Bundesrat und die EU-Kommission.

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