Energieeffizienz : Ein Ausweis, der nichts ausweist

Eine Allianz aus Branchenverbänden, Mietervereinen, Naturschützern und Industrieverbänden wollen den Energiepass für Häuser verbessern. Das sei die Basis dafür, um den "Sanierungsstau" aufzulösen, argumentieren sie.

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Häuser und Klemmbrett mit Dena-Energieausweis
Der Energieausweis, der seit 2009 verpflichtend ist, war ein politischer Kompromiss. Deshalb sind drei verschiedene auf dem Markt,...Foto: dpa

Seit 2009 muss ein Hauseigentümer einen Energieausweis vorlegen, wenn er ein Gebäude vermietet, verpachtet oder verkauft. Trotzdem hat kaum jemand je einen solchen Energieausweis zu Gesicht bekommen. Michael Herma, Geschäftsführer des Forums für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik VdZ, weiß auch genau warum: „Der Ausweis bringt keine Vergleichbarkeit.“ Mit anderen Worten: Der Energieausweis, der in drei verschiedenen, nicht vergleichbaren Varianten eingesetzt wird, hat keine Aussagekraft. Das will ein neues „Bündnis Energieausweis“ nun ändern.

Zehn Verbände, die vom Industrieverband für Energieeffizienz (Deneff) über den Deutschen Mieterbund (DHM) bis hin zum Umweltverband Nabu reichen, haben ihr Konzept für einen verbesserten Energieausweis am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Er soll dazu beitragen, den „Sanierungsstau“ aufzulösen, den Herma beklagte. Und er soll Mietern, Hausbesitzern und Hauskäufern eine Orientierung über den Zustand eines Hauses oder einer Wohnung bieten. Der Energieausweis soll, wenn das Bündnis sich mit seinem Vorschlag durchsetzt, aussehen wie die Energieklassen-Aufkleber auf Kühlschränken oder Waschmaschinen.

Dabei sollen Gebäudetechnik und Zustand der Gebäudehülle getrennt bewertet und daraus ein Gesamteffizienzwert für das Haus gebildet werden. Zudem sollen Effizienzklassen geschaffen werden, die tatsächlich einen Hinweis bieten, ob es Sanierungsbedarf gibt oder nicht. Nabu-Chef Olaf Tschimpke sagte: „Wer eine echte Energiewende will, muss bei den Gebäuden anfangen.“ Deneff-Präsident Carsten Müller fügte hinzu: „Effizienz macht die Energiewende bezahlbar.“ Beide sind mit dem DHM-Chef Lukas Siebenkotten einig, dass die Erhöhung der Gebäudeeffizienz nur dann möglich werde, wenn mit einem aussagekräftigen Energieausweis die notwendige Basis dafür geschaffen werde.

Michael Herma kritisierte, dass es je nach Berechnungsmethode bei den aktuell eingesetzten Energieausweisen eine Abweichung von bis zu 100 Prozent geben könne. Der Verbrauchsausweis wieder, das ist der am meisten verbreitete, errechnet lediglich den Durchschnitt des Wärmeverbrauchs der vergangenen drei Jahre. Wenn ein Nutzer besonders viel oder besonders wenig heizt, macht es das möglichen Mietern oder neuen Eigentümern unmöglich, daraus einen Anhaltspunkt für die Nebenkosten oder mögliche Sanierungsnotwendigkeiten abzuleiten. Die Verbrauchsausweise sind nach einer Telefonberatung für 14 bis 25 Euro zu haben, berichtete Herma.

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