Energiepolitik : Platz für Atommüll gesucht

Wohin mit dem radioaktiven Abfall? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, treffen sich jetzt 300 Fachleute drei Tage lang in Berlin. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will "ergebnisoffenes und transparentes Suchverfahren".

Berlin Für die Entsorgung hochradioaktiver Abfälle zeichnet sich nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bislang keine Lösung ab. Gleichwohl dürfte die Endlagerung "nicht unseren Nachkommen überlassen" werden, sagte er am Donnerstagabend bei der Eröffnung eines Fach-Symposiums in Berlin. Bei der dreitägigen Veranstaltung des Umweltministeriums diskutieren rund 300 Fachleute aus dem In- und Ausland über Voraussetzungen für eine sichere Endlagerung. Er sei "der festen Überzeugung, dass in der festgefahrenen Situation, in der wir uns jetzt befinden, insbesondere Veranstaltungen wie diese einen Beitrag leisten können, in der Sache weiterzukommen", sagte Gabriel.

Der Minister sprach sich erneut für ein "ergebnisoffenes und transparentes Suchverfahren" für ein Endlager aus. Dabei solle der Salzstock Gorleben mit anderen Standorten verglichen werden. Ein anderer Standort solle allerdings nur dann ausgewählt und erkundet werden, "wenn er deutliche Sicherheitsvorteile gegenüber Gorleben verspricht". Der Salzstock im niedersächsischen Kreis Lüchow-Dannenberg wird bereits seit Ende der 70er Jahre auf seine Eignung untersucht, seit 2000 sind die Arbeiten aber unterbrochen.

Proteste gegen Endlager in Gorleben

Der Standortvergleich müsse nach internationalem Maßstab erfolgen, sagte Gabriel. Wichtig sei jetzt, "dass ein offener Dialog zwischen der Politik, der Wissenschaft und der interessierten Öffentlichkeit zustande kommt". Entgegen ursprünglichen Plänen konnte sich die große Koalition in dieser Legislaturperiode nicht mehr auf ein Verfahren zur Endlagersuche einigen.

Vor dem Tagungshaus im Stadtteil Wilmersdorf demonstrierten Umweltschützer gegen ein Endlager in Gorleben und für einen zügigen Ausstieg aus der Atomenergie. Die Suche nach einem Standort dürfe erst beginnen, wenn kein weiterer Atommüll mehr erzeugt werde, hieß es. Die teilweise mit weißen Overalls bekleideten und geschminkten Demonstranten errichteten auf dem Bürgersteig einen symbolischen Bohrturm und ließen Luftballons steigen. (bai/ddp)

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