Energiepolitik : Polen plant für das Jahr 2020 sein erstes Atomkraftwerk

In Polen wird auch in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von rund sechs Prozent erwartet, und damit steigt auch der Energieverbrauch drastisch an – Energie, die zu über 90 Prozent aus dem Verbrennen von Braun- und Steinkohle gewonnen wird - bis jetzt.

Knut Krohn

WarschauDas soll sich spätestens 2020 ändern, sieht ein Strategiepapier der Regierung vor. In spätestens zwölf Jahren soll in Polen das erste Atomkraftwerk des Landes ans Netz gehen.

Das alles ist allerdings noch Zukunftsmusik, die meisten Fragen sind ungeklärt, auch wo der Meiler stehen soll. Immer wieder fällt ein Name, der in Deutschland einiges Unbehagen auslöst: Gryfino (Greifenhagen) an der Grenze zu Brandenburg. Dort, heißt es, gebe es die nötige Infrastruktur, um ein solches Kraftwerk zu betreiben. Doch auch das nordpolnische Zarnowiew kommt als möglicher Standort infrage. Dort war in den 80er Jahren ein Kraftwerk geplant, doch das Vorhaben scheiterte an Protesten von Umweltschützern. Die kündigen an, auch diesmal Front gegen einen Meiler machen zu wollen. Jedoch stehen die Umweltschützer auf nicht allzu gutem Posten. Wie eine Umfrage der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ ergab, sprechen sich 48 Prozent der Polen für die Atomkraft aus, 46 Prozent sind dagegen. Rund einem Drittel der Menschen würde es sogar nichts ausmachen, neben einem Akw zu wohnen.

Ein weiteres Argument für den Einstieg in die Atomkraft ist Russland, das immer wieder am Gashahn dreht. Polen will sich unabhängig von der ehemaligen Besatzungsmacht machen. Außerdem hat sich Polen mit dem EU-Beitritt den Klimaschutzzielen des Kyoto-Protokolls verpflichtet. Mit Kohle als wichtigstem Energielieferanten aber ist eine Verminderung der CO2-Emissionen unmöglich. Auch der Ausbau von Biomasse oder Windenergie könne Polen nicht aus dieser Zwickmühle retten, schreibt die „Gazeta Wyborcza“. Im Herbst wird das Kabinett das noch konturlose Grundsatzpapier zum Einstieg in die Kernenergie präzisieren. Ein einflussreicher Handlungsreisender in Sachen Atomkraftwerke hat bereits im Juni vorgesprochen. Der französische Präsident Nikolas Sarkozy sagte bei seinem Staatsbesuch, Paris werde den Bau eines Kernkraftwerkes natürlich mit Rat und Tat unterstützen. Knut Krohn

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