Energiepolitik : Russland dreht der Ukraine das Gas ab

Neuauflage im Gasstreit: Russland dreht der Ukraine den Gashahn zu. Grund: Die beiden Länder konnten sich nicht auf den Preis für die Importe einigen.

Ukraine
Moskau hat Kiev den Gashahn zugedreht. -Foto: AFP

Russland hat die Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrsmorgen massiv eingeschränkt. Das gab der russische Gasmonopolist Gazprom bekannt. Das Unternehmen reduzierte den Lieferumfang um drei Viertel auf 90 Millionen Kubikmeter pro Tag. Grund für die Kürzung sind fehlende neue Lieferverträge.

Der Vertrag mit der Ukraine war um 8 Uhr (MEZ) ausgelaufen. Beide Seiten konnten sich nicht auf neue Gaspreise einigen. Kiew schlägt 201 US-Dollar (142 Euro) je 1000 Kubikmeter Gas vor. Russland hingegen verlangt 250 US-Dollar. Regierungschef Wladimir Putin bezeichnete dieses Angebot als Freundschaftspreis, der unter Marktniveau liege. Die finanziell angeschlagene Ukraine hingegen will den Preis mit der Begründung gesunkener Rohstoffkosten drücken.

Vorerst keine Auswirkungen auf Westeuropa

Westeuropa ist von dem Lieferstopp nicht betroffen: Der Konzern pumpt weiter Gas über die ukrainischen Leitungen. Die deutschen Gasversorger erwarten wegen der gut gefüllten Speicher derzeit keine Auswirkungen des Energie-Konflikts in Deutschland.

Beim Gasstreit zwischen Kiew und Moskau vor drei Jahren war es auch zu Lieferengpässen in der EU gekommen, weil die Ukraine illegal den für den Transit bestimmten Rohstoff abgezapft haben soll.

Wichtiges Transitland

Die Ukraine hat als Transitland eine zentrale Bedeutung bei der Versorgung Europas mit russischem Erdgas. Rund 80 Prozent des für Westeuropa bestimmten Gases fließen durch Pipelines über ukrainisches Territorium. Die ehemalige Sowjetrepublik durchziehen nach russischen Angaben fünf Pipelines, von denen zwei den Binnenmarkt Ukraine mit Gas versorgen. Die drei anderen Transitleitungen beliefern unter anderem den wichtigsten Kunden Deutschland sowie Tschechien, die Slowakei, Österreich, Polen, Ungarn und Rumänien.

Die Versorgung der EU-Länder mit russischem Gas auf dem Landweg ist ein komplizierter Prozess. Ein Teil des Gases wird in den wärmeren Monaten in riesigen unterirdischen Feldern in der Ukraine zwischengelagert. Da Russland im Winter auf Grund des höheren Inlandsverbrauchs weniger Gas in Richtung Westen pumpt, wurden die fehlenden Mengen bislang aus den ukrainischen Gasspeichern ergänzt. Um die Ukraine als Transitland zu umgehen und Deutschland direkt zu beliefern, ist der Bau der Ostseepipeline Nord Stream geplant.

Ukraine muss Gas importieren

Die Ukraine verbraucht jährlich etwa 76 Milliarden Kubikmeter Gas. Ein Viertel (bis zu 20 Milliarden Kubikmeter) deckt das Land aus eigenen Vorkommen. Russland soll nach ukrainischen Regierungsangaben 2008 rund 14 Milliarden Kubikmeter aus eigenen Quellen beigesteuert haben. Der größte Anteil (über 40 Milliarden Kubikmeter) entfiel auf turkmenische Exporte, die über russisches Territorium transportiert werden. (td/dpa)

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