Energiesparen : Wenig Interesse an Energieberatung

Der Klimawandel hat auch gesellschaftliche Folgen. Laut einer Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion hat die Klimadebatte das Verbraucherverhalten verändert – doch nur da, wo es keine Mühe macht.

Dagmar Dehmer
Wärmehaus
Wärmeverlust: Auf einem Wärmebild kann jeder sehen, wo ein Haus undichte Stellen und damit Sanierungsbedarf hat. -Foto: pa/dpa

Berlin - Solange sich Klimaschutz ohne Mühe in den Alltag einbinden lässt, und wenig Geld kostet, ist er erfolgreich. Dieser Schluss lässt sich aus der Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion über die Auswirkungen der Klimadebatte auf das Verbraucherverhalten ablesen. Schon kleine Extrabeträge machen klimafreundliche Angebote nur für eine kleine Konsumentengruppe attraktiv. So haben etwa Ökostromanbieter 2007 enormen Zulauf gehabt und ihre Kundenzahlen teilweise sogar verdoppelt. Doch der Anteil des Ökostroms am Gesamtverbrauch erhöhte sich 2007 im Vergleich zum Vorjahr lediglich von drei auf fünf Prozent.

Auch Unternehmen wie Atmosfair oder My-Climate, über die für Flugreisen ein Klimaausgleich bezahlt werden kann, haben 2007 ein enormes Wachstum erlebt. Allerdings liegt der Anteil der „kompensierten“ Flugreisen bei unter einem Prozent. Die Passagierzahlen und Emissionen im Flugverkehr stiegen gleichzeitig weiter an. Auch der Markt für Biofleisch, das in der Klimabilanz deutlich besser abschneidet als konventionell erzeugtes, hat beachtliche Wachstumsraten verzeichnen können, liegt aber je nach Fleischsorte bei einem Gesamtmarktanteil von 0,4 bis 2,1 Prozent.

Das größte Wachstum weist der Verkauf von Energiesparlampen auf. Die Leuchten, die im Vergleich zur Glühbirne nur fünf Prozent der Energie benötigen, haben ihren Marktanteil im Jahr 2007 auf 15 Prozent verdoppelt. Ähnliche Entwicklungen sieht der Autor bei energieeffizienten Kühl- und Gefriergeräten; da liegen die Preisunterschiede für sehr gute Geräte inzwischen bei rund 20 Euro mehr in der Anschaffung. Im Betrieb sind sie aber knapp 20 Euro pro Jahr billiger.

Dagegen wurden die Fördermittel des Wirtschaftsministeriums für den Einsatz erneuerbarer Energien im Wärmemarkt 2007 nur zu zwei Dritteln abgerufen. Und selbst vom Wirtschaftsministerium geförderte Energieberatungen wurden rund 30 Prozent seltener in Anspruch genommen als im Vorjahr.

Auch beim Autofahren ist der Einfluss der Klimadebatte auf das Kaufverhalten kaum noch spürbar. Zwar nahmen die Neuzulassungen für klimafreundliche Hybridfahrzeuge deutlich zu; der Toyota Prius beispielsweise um 49 Prozent. Aber nur 0,2 Prozent aller neu zugelassenen Autos 2007 waren Hybridfahrzeuge. Gewachsen ist auch der Anteil der klimafreundlichsten Kleinwagen, um rund 2,7 Prozent. Gleichzeitig wuchs aber der Anteil der zugelassenen Geländewagen, der zweitschlechtesten Kategorie unter Klimagesichtspunkten, um denselben Anteil. Auch in diesem Frühjahr sind mehr Geländewagen zugelassen worden als im Vorjahr. Die durchschnittliche Motorleistung stieg im vergangenen Jahr um rund sechs Prozent, und damit auch der Spritverbrauch der Fahrzeuge. Effizienzgewinne beim Autobau wurden durch die höhere Motorisierung wieder verloren.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, sagte dem Tagesspiegel: „Wir könnten beim Absatz von klimafreundlichen Produkten wesentlich weiter sein, wenn es bessere Informationen gäbe.“ Sie fordert „Angaben zu finanziellen Ersparnissen“. Denn: „Wenn ich weiß, dass ich mit einem besonders effizienten Kühlschrank 30 Euro pro Jahr im Vergleich zu einem Durchschnittsgerät spare, habe ich eine völlig neue Entscheidungssituation – und achte nicht nur auf den reinen Verkaufspreis.“

Dass Vernunftargumente beim Autofahren nicht an vorderster Stelle stehen, ist Höhn klar. Denn Autos „mit hohem Spritverbrauch verkaufen sich nach wie vor gut“. Sie wünscht sich deshalb eine „Statusrevolution – nicht mehr der dickste Schlitten ist sexy, sondern der sparsamste“. Die grüne Bundestagsfraktion versuche gerade die Fahrbereitschaft der Abgeordneten entsprechend „abzurüsten“. „Statt Limousinen reicht ein Polo oder ein Golf“, findet Höhn.

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