Politik : Engelszungen

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Öffentliche Ratschläge von erbitterten Gegnern sind selten hilfreich gemeint. Man muss sich das nur einmal vorstellen: Was wäre wohl in der Metzger-Innung los, wenn ausgerechnet der Verband der Vegetarier bessere Rezepte fürs Wurstmachen empfehlen würde? Was im Familienministerium, wenn die Vereinigung überzeugter Singles über die Erhöhung des Kindergelds entscheiden wollte? Oder wie würde Rudolf Scharping reagieren, wenn ausgerechnet Pazifisten ihn zur Ausrüstung der Bundeswehr beraten wollten? Zugegeben, bei Rudolf Scharping ist alles möglich, aber das Prinzip bleibt trotzdem tückisch. Die in Dialektik bekanntlich gut geschulte PDS hat sich nun darauf gestützt und dem Axel-Springer-Verlag ihre Hilfe angeboten. Gerade hatte der Verlag die Flaute im Anzeigengeschäft Anfang des Jahres für den Rückgang der Werbeerlöse verantwortlich gemacht. Hätte nicht sein müssen, erklärt nun der Sprecher der PDS-Fraktion, Reiner Oschmann: „Mangelnde Geschäftstüchtigkeit“ nämlich habe verhindert, dass das Ergebnis „etwas freundlicher“ ausgefallen sei. Der Grund: Springer hätte mit Anzeigen der PDS-Fraktion in „Bild“-Zeitung und „Welt“ gut Geld machen können, habe sie aber abgelehnt. Ein bisschen gekränkt klingt dieser Ratschlag. Schließlich weiß auch die PDS, dass große Personality-Geschichten in der „Bild"-Zeitung manchmal nützlicher sind als jede Kleinanzeige. Und billiger sind sie auch. Ob der Springer-Vorstand sich umstimmen lässt? Immerhin hat es die PDS ja diesmal nicht mit hämischen Worten probiert, sondern gewissermaßen mit Marx- und Engelszungen gesprochen. Hans Monath

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