Politik : Entführer aus Sudan geben in Libyen auf

Tripoli/Berlin - Die Entführer der Boeing aus der westsudanesischen Krisenregion Darfur haben nach Informationen der Agentur AFP am späten Mittwochnachmittag in Libyen aufgegeben. Dies habe ein Regierungsvertreter mitgeteilt. Zuletzt seien zwei Entführer und sechs Besatzungsmitglieder im Jet gewesen. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen waren die rund 90 Passagiere und zwei Frauen der Besatzung bereits am Vormittag freigekommen. Der Jet war von rund 500 Sicherheitskräften umstellt worden. Die Entführer hatten den Weiterflug nach Paris gefordert. Über Identität, Zahl und Motive der Entführer herrschte zunächst Unklarheit. Sie sollen sich als Mitglieder einer der beiden großen Rebellenorganisationen ausgegeben haben. Deren in Paris lebender Anführer Abdel Wahid Al-Nur habe aber jede Verbindung bestritten. Die andere große Gruppe habe erklärt, einige ihrer Leute seien an Bord.

Die Lage in der Krisenregion ist derweil so unübersichtlich geworden, dass sich die Deutsche Welthungerhilfe zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen hat. Die Organisation stellte die Verteilung von Lebensmitteln für 450 000 Menschen in rund 150 Orten im Norden der Region ein. In den vergangenen fünf Wochen habe es zwei Vorfälle gegeben. „Bewaffnete kriminelle Banden haben Mitarbeiter mit dem Tod bedroht“, so Regionalkoordinator Johan van der Kremp. Die Welthungerhilfe ist der zweitgrößte Partner, der Lebensmittel für das Welternährungsprogramm (WFP) zu Menschen bringt, die nicht in Flüchtlingslagern leben. Diese Arbeit könne zunächst niemand anders übernehmen, sagte Ralf Südhoff, Leiter des WFP Deutschland, dem Tagesspiegel. Südhoff forderte, die gemeinsame Schutztruppe von UN und Afrikanischer Union, Unamid, „muss endlich so ausgestattet werden, dass sie die Transporte der humanitären Organisationen wirksam schützen kann.“ WFP und Welthungerhilfe hoffen, dass die Konfliktparteien wieder Sicherheitszusagen für Transporte machen. Da sich aber die Rebellen immer weiter aufgesplittert haben, sprechen Beobachter bereits von mehreren Dutzend Bandenchefs, deren Zugehörigkeit auch wechseln kann. mue

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