Politik : Entführer setzen Manila unter Druck

Kidnapper fordern Autonomie von Philippinen - Fischer warnt vor Gewalt

Im Geiseldrama um die aus Malaysia verschleppten Urlauber sind erste Forderungen der Entführer bekannt geworden. So verlangen sie unter anderem die Ausweitung der Autonomie auf der südlichen Philippinen-Insel Mindanao. Das sagte einer der von Chefunterhändler Nur Misuari zu den Kidnappern entsandten Mittelsmänner am Freitag. Die Geiseln seien alle bei "guter Gesundheit und wohlauf." Lösegeld hätten die Entführer der extremistischen Moslemgruppe Abu Sayyaf zunächst nicht gefordert.

Zu der möglichen Dauer der Verhandlungen wollte er sich nicht äußern. "Das hängt von unserer Überzeugungskraft ab", sagte er. "Die Tatsache, dass sie mit uns geredet haben, zeigt, dass sie verhandeln wollen. Wir haben uns wie vernünftige Menschen unterhalten." Die Gespräche sollen an diesem Sonnabend fortgesetzt werden.

Die Geiselnahme war offenbar von langer Hand vorbereitet worden. Bis zum Freitag wurden sieben Malaysier festgenommen, die laut Polizei den Entführern Informationen geliefert hatten. Am Morgen wurden etwa 400 Polizisten und Soldaten in Richtung der Verstecke der Entführer entsandt. Dies geschehe zur Vorbereitung von Verhandlungen mit den Entführern sagte ein Polizeisprecher. Sie halten auf der zum Sulu-Archipel gehörenden Insel Jolo 21 Menschen in ihrer Gewalt, unter ihnen die dreiköpfige Familie Wallert aus Göttingen.

Bundesaußenminister Joschka Fischer hat sich in einem Gespräch mit seinem philippinischen Kollegen Domingo Siazon gegen eine gewaltsame Lösung ausgesprochen. Er habe klargemacht, für die Bundesregierung habe die Unversehrtheit der Geiseln Vorrang, teilte eine Ministeriumssprecherin am Freitag in Berlin mit. Die Polizei auf den Philippinen geht davon aus, dass sich die Verhandlungen mit den Entführern der 21 Geiseln, unter ihnen drei Deutsche, noch einen Monat lang hinziehen könnten. Wahrscheinlich müsse auch über Lösegeldforderungen verhandelt werden.

Bei seinem Gespräch mit Fischer am Donnerstag habe Siazon zugesichert, dass eine Verhandlungslösung angestrebt werde, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Casimiro betonte, Soldaten und Polizisten kontrollierten die Zufahrtsstraße zum Aufenthaltsort der Touristen auf der Insel Jolo, 960 Kilometer südlich der philippinischen Hauptstadt Manila. Ein Militärschlag sei aber nur eine Option für den Notfall. Der Regierungsbeauftragte Nur Misuari, der früher selbst Anführer von Rebellen gewesen war und jetzt Regierungschef einer halbautonomen Moslem-Region im Süden der Philippinen ist, erklärte, er strebe zunächst die Freilassung der Verschleppten in kleinen Gruppen an.

Die Urlauber waren am Ostersonntag überfallen worden. Die als Polizisten getarnten Geiselnehmer hatten die Touristen beim Abendessen überrascht und sie mit Waffengewalt gezwungen, in zwei Schnellboote zu steigen. Dann stachen sie in Richtung Philippinen in See.

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