Politik : Entführer stellen Israel Ultimatum

Palästinensische Geiselnehmer wollen Freilassung von 1000 Häftlingen erzwingen

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Gaza/Beirut - Gut eine Woche nach der Entführung des Soldaten Gilad Schalit haben die palästinensischen Geiselnehmer Israel ein 24-stündiges Ultimatum zur Erfüllung ihrer Forderungen gestellt. Bis Dienstagmorgen solle Israel mehr als 1000 inhaftierte Palästinenser auf freien Fuß setzen, forderten drei militante Gruppen unter Führung des militärischen Hamas-Flügels. Gehe die Militäroffensive weiter, werde Israel den Soldaten nicht wiedersehen. „Unsere Botschaft an die Israelis ist: Lasst unsere Gefangenen frei, und dann werden wir eure Gefangenen freilassen. Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sagte Parlamentspräsident Asis Dweik (Hamas) am Montag im Parlament in Ramallah. Israel lehnte weiterhin jegliche Verhandlungen ab. Das Militär flog Luftangriffe und rückte erstmals in den Norden des Gazastreifens vor.

Aus der Erklärung des Volkswiderstandskomitees, der Armee des Islam und der Essedin-al-Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas-Organisation, ging nicht hervor, ob der entführte Gilad Schalit nach Erfüllung der Forderungen freikommen würde. Die Entführer hatten zunächst die Freilassung aller Frauen und Kinder aus israelischen Gefängnissen gefordert. Am Wochenende verlangten sie die Freilassung von insgesamt „1000 Palästinensern, Arabern, Muslimen und anderen Gefangenen“. Zudem müsse die israelische Militäroffensive beendet werden. Rund 200 Palästinenser demonstrierten am Montag in Gaza für die Freilassung inhaftierter Angehöriger.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert lehnte am Montag auch nach Veröffentlichung des palästinensischen Ultimatums Verhandlungen mit den Entführern ab. In einer Mitteilung seines Büros hieß es, Israel werde „nicht den Erpressungsversuchen der palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas-Regierung nachgeben, die von einer mörderischen Terrororganisation geführt werden“. Die palästinensische Autonomiebehörde trage „die volle Verantwortung für das Wohl von Gilad Schalit und seine sichere Rückkehr nach Israel“.

Israels Generalstabschef Dan Halutz sagte, „wir geben keiner Erpressung und keinem Ultimatum nach“. Der Militärrundfunk machte jedoch eine Änderung im Ton ranghoher Militärvertreter aus, die hinter vorgehaltener Hand einen Austausch palästinensischer Gefangener gegen Schalit nicht mehr ausschlössen.

Das Militär drang nach Angaben von Augenzeugen am Montagmorgen mit rund 25 Panzern in den nördlichen Gazastreifen vor. Die Soldaten sollten dort laut einem Armeesprecher nach Tunneln und Sprengsätzen suchen. Bei einem Angriff auf ein Büro der Hamas in Gaza und einem Granatenbeschuss im Norden des Gazastreifens wurden vier Menschen verletzt, wie es aus palästinensischen Krankenhaus- und Sicherheitskreisen hieß. Die bei der israelischen Offensive festgenommenen Hamas-Minister sollen nach den Worten von Israels Vizeregierungschef Schimon Peres wegen Beteiligung an „Terrorakten“ belangt werden. „Sie waren Regierungsmitglieder und haben sich dann terroristischen Akten“ gegen eine zivile Regierung angeschlossen, sagte Peres dem US-Sender CNN. AFP/dpa

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