Entführte Deutsche : PKK-Spitze distanziert sich von der Tat

Den drei entführten deutschen Bergsteigern geht es angeblich gut. Das teilte die Führung der kurdischen PKK am Sonntag mit - und erklärte gleichzeitig, dass eine lokale PKK-Gruppe die Deutschen auf eigene Faust gekidnappt habe. Zugleich richtet die PKK neue Forderungen an die Bundesregierung.

Die in der Türkei entführten deutschen Bergsteigern sind nach Angaben der PKK-Führung angeblich wohlauf. Das berichtete das ZDF am Sonntagabend unter Berufung auf die neueste Erklärung der "Führung der kurdischen PKK-Rebellen". Zugleich heißt es dort dem Bericht zufolge weiter, dass die PKK-Führung nichts mit dieser Tat nichts zu tun habe. Es sei eher eine Eigeninitiative der Provinzkommandantur. "Auch wir werden Anstrengungen unternehmen, damit die Touristen gesund und sicher wieder zu ihren Familien zurückkehren", so die Erklärung weiter. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wollte den Bericht am Abend auf Anfrage nicht kommentieren. Der Krisenstab bemühe sich intensiv um die baldige Freilassung der drei Geiseln, betonte er.

Deutschland und die Türkei haben bereits am Sonntag auf höchster Ebene einen engen Schulterschluss zur Lösung des Geiseldramas demonstriert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vereinbarten am Rande des EU-Mittelmeer-Gipfels in Paris eine intensive Zusammenarbeit, um eine schnelle Freilassung der drei Bayern zu erreichen. Erdogan versicherte nach Angaben der deutschen Delegation in Paris, seine Regierung werde alles tun, damit die Deutschen "schnell und unversehrt" freikommen. Merkel appellierte an die Entführer, die Geiseln "umgehend und unversehrt freizulassen". Erneut machte sie aber deutlich, dass sich die Bundesregierung nicht erpressen lasse. Eine sechsköpfige deutsche Delegation, zu der zwei Polizisten gehören, nahm nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Gespräche mit dem Gouverneur der osttürkischen Provinz Agri und lokalen Militärs auf.

Forderung an die Bundesrepublik

Wie das ZDF weiter berichtete, enthält die Erklärung der PKK-Spitze auch eine neue Forderung an die Bundesregierung: Deutschland solle die Türkei auffordern, ihre Kampfeinsätze in der osttürkischen Region zu stoppen.

Die Entführer-Gruppe verlangte derweil von der Bundesregierung eine Erklärung, dass Deutschland seine "feindliche Politik gegenüber dem kurdischen Volk und der PKK" aufgibt. Das geht aus einer Stellungnahme hervor, die von der PKK-nahen Nachrichtenagentur Firat am Sonntagabend verbreitet wurde. Die Entführer beziehen sich dabei wohl auch auf ein vor rund drei Wochen in Deutschland erlassenes Betätigungsverbot gegen den kurdischen Sender Roj-TV. Die in Europa und den USA als Terror-Organisation eingestufte PKK ist in Deutschland seit 1993 verboten.

Die PKK habe bisher keine "feindliche Einstellung" gegenüber Deutschland, heißt es in der Erklärung. Und weiter: "Wenn wir solch eine Haltung hätten, hätten wir den deutschen Wirtschaftsinteressen in der Türkei großen Schaden anrichten können." Jeder wisse, dass die PKK die Stärke dazu habe.

Deutsche Behörden sollen von Gefahr gewusst haben

Unterdessen berichtet der "Spiegel", das die deutschen Behörden über die wachsende Gefahr von Geiselnahmen durch die kurdische PKK bereits vor der Entführung der Bergsteiger informiert waren. Demnach hat der Exekutivrat der Vereinigten Gemeinschaften Kurdistans - nach dem inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan so etwas wie die zweithöchste Instanz im Kampf der Kurden - Ende Juni die Bundesregierung aufgefordert, ihre "feindliche Politik gegen das kurdische Volk und seine Befreiungsbewegung" aufzugeben. Kurz darauf habe die türkische Polizei dem BKA gemeldet, unter den Kurden im Land herrsche Unruhe - es könne zu Anschlägen und Entführungen kommen. Innenstaatssekretär August Hanning habe solche Hinweise bestätigt. Das BKA habe dann am 2. Juli die Innenministerien der Länder per Fernschreiben informiert, heißt es im Bericht weiter. Die drei 65, 47 und 33 Jahre alten Bergsteiger aus Bayern waren am Dienstagabend entführt worden. Die zehn Kameraden der Entführten sind am Freitagabend wieder nach Deutschland zurückgekehrt. (jm/ddp/dpa)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben