Politik : Entführter Deutsch-Afghane in der Nähe von Kabul befreit

Kabul/Berlin - Nach knapp zwei Wochen Geiselhaft haben afghanische Sicherheitskräfte einen in Kabul verschleppten Deutsch-Afghanen aus der Gewalt einer kriminellen Bande befreit. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass der Mann seit Donnerstagmorgen wieder in Freiheit sei. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut.

Der Sprecher des afghanischen Geheimdienstes NDS, Sayed Ansari, sagte in Kabul, der Entführte sei im Distrikt Bagram nördlich von Kabul befreit worden. Drei junge Kriminelle seien festgenommen worden. Der Verschleppte Hadschi Asisullah, der in Kabul einen Hochzeitssaal betreibt, sagte im NDS-Hauptquartier, die Geiselnehmer hätten drei Millionen Dollar (knapp zwei Millionen Euro) Lösegeld verlangt. „Sie warnten mich, dass sie meine Hand und mein Ohr abschneiden würden, wenn nicht bezahlt würde.“ Offensichtlich handele es sich um einen Fall mit kriminellem Hintergrund und „um einen typischen Fall der hiesigen Entführungsindustrie“, hieß es.

Die drei bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan verletzten Bundeswehrsoldaten werden an diesem Donnerstag nach Deutschland zurückgeflogen. Am späten Abend würden die drei auf dem Flughafen Köln-Wahn erwartet, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Anschließend würden die Verletzten in das Bundeswehrkrankenhaus nach Koblenz gebracht. Bei einem Anschlag in der Nähe der nordafghanischen Stadt Kundus waren am Mittwoch zwei Soldaten schwer und einer leicht verletzt worden. Die Soldaten waren auf dem Weg von Kundus nach Pol-e Khomri gewesen, um ein defektes Bundeswehrfahrzeug zu bergen. Als die Kolonne an einem Kontrollpunkt hielt, näherte sich ein Motorradfahrer und sprengte sich in die Luft. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte, trotz des Angriffs habe die Bundeswehr die Situation im Norden Afghanistans „relativ gut im Griff“. Vor Selbstmordattentätern könne man sich aber „nie und nirgends ganz schützen“. dpa/ddp

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