Entführung : Drei vermisste Deutsche im Jemen vermutlich tot

Drei der im Jemen entführten Deutschen sind wahrscheinlich getötet worden. Das verlautete aus jemenitischen Sicherheitskreisen.

Im Jemen sind die Leichen von drei Deutschen erschossen aufgefunden worden, die am vergangenen Freitag nördlich von Sanaa verschwunden waren. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben eines Sicherheitsbeamten in Sanaa um drei Frauen.

Insgesamt wurden sieben Deutsche vermisst: Es handle sich unter anderem um einen deutschen Arzt, der an einem Krankenhaus in der Gegend arbeite, teilte das jemenitische Verteidigungsministerium am Sonntag mit. Die übrigen Deutschen, darunter seine drei Kinder, seien zu Besuch gewesen. Die Entführung habe sich im Norden des Landes in der Region Saada ereignet. Auch ein britischer Ingenieur und eine südkoreanische Lehrerin, die für eine Hilfsorganisation arbeite, zählten zu den Opfern.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte lediglich bestätigt, dass seit Samstagabend sieben Deutsche im Jemen vermisst würden. Das Auswärtige Amt habe einen Krisenstab eingerichtet und stehe mit den jemenitischen Behörden im Kontakt, um den Vorfall aufzuklären, sagte er in Berlin. Das Wort Entführung vermied er. Eine Forderung von Geiselnehmern, wie sonst üblich, hatte es nicht gegeben.

Deutsche waren schon häufig von Entführungen im Jemen betroffen. Prominentestes Opfer war der ehemalige Staatssekretär Jürgen Chrobog, der mit Frau und drei erwachsenen Söhnen im Dezember 2005 verschleppt wurde. Zuletzt wurde im Januar ein deutscher Ingenieur entführt und nach wenigen Tagen wieder freigelassen. Einen Monat zuvor hatten Stammesangehörige eine deutsche Entwicklungshelferin und ihre Eltern etwa eine Woche in ihrer Gewalt, ehe sie freikamen.

Das jemenitische Verteidigungsministerium machte Rebellen aus Saada für die Tat verantwortlich. Stammesvertreter in Saada wiesen die Vorwürfe jedoch zurück. Ein Mitglied des schiitischen Houthi-Clans erklärte, der Stamm habe mit der Entführung nichts zu tun. Entführungen sind im Jemen seit langem an der Tagesordnung und dienen häufig dazu, den Bau von Brunnen oder Straßen und damit bessere Lebensverhältnisse zu erpressen.

Die Regierung verzichtet normalerweise auf riskante Befreiungsaktionen und verlässt sich, um die Freilassung der Ausländer zu erreichen, lieber auf das Verhandlungsgeschick von Scheichs, die dem Stamm der Entführer angehören.

Am Freitag hatten Stammesangehörige in Saada 24 Ärzte und Krankenschwestern laufen gelassen, die sie tags zuvor verschleppt hatten. Nach Angaben der Regierung hatten sie die Freilassung von zwei Häftlingen gefordert. Im Jahr 2004 hatten Stammesangehörige im Nordwesten – angeführt von Mitgliedern des Huthi-Clans – einen Aufstand gegen die Regierung begonnen. Sie werfen ihr wirtschaftliche und religiöse Diskriminierung vor. Der Jemen liegt an der Südspitze der arabischen Halbinsel und zählt zu den ärmsten Ländern des Nahen Ostens. (rtr/dpa)

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