Entführung im Jemen : Chrobog-Familie ist frei

Der frühere Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog und seine Familie sind wieder in Freiheit. Nach mehr als drei Tagen wurden Chrobog, seine Frau und die drei Söhne am Samstag von den Geiselnehmern freigelassen.

Berlin - Glückliches Ende des Geiseldramas im Jemen noch vor Jahreswechsel: «Jürgen Chrobog, seine Frau und seine drei Söhne befinden sich wieder in Sicherheit», sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstag in Berlin. Sie hätten die Entführung gesund überstanden. Die Geiselnahme habe keinen terroristischen Hintergrund gehabt. Chrobogs seien zufällig Opfer geworden. Die Familie war am Mittwoch von Angehörigen eines jemenitischen Stammes entführt worden. Den Jahreswechsel wollten Chrobogs in der Hafenstadt Aden im Süden des arabischen Landes verbringen.

Das glückliche Ende war noch am Silvestermorgen ungewiss gewesen. Chrobog und seine Familie seien sehr erleichtert, wieder in Freiheit zu sein, sagte Steinmeier nach einem Telefonat mit dem Ex-Staatssekretär im Auswärtigen Amt. «Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese letzten Tage trotz der offensichtlich fairen Behandlung, die ihnen widerfahren ist, mit riesigen Belastungen verbunden waren.» Die gesamte Bundesregierung sei «sehr glücklich über den guten Ausgang.» Der Außenminister dankte den jemenitischen Partnern und besonders Staatspräsident Ali Abdullah Salih für sein «engagiertes und umsichtiges Vorgehen».

Einige der Entführer wurden noch am Samstag im Jemen festgenommen. Die vier Männer würden vor Gericht gestellt, sagte der Sprecher des jemenitischen Botschafters in Deutschland der dpa in Berlin. Die Stammesführer hätten die Vereinbarung mit der Regierung, die zur Freilassung der Chrobogs führte, unterzeichnet. Danach hat sich die Regierung in Sanaa verpflichtet, fünf Mitglieder eines rivalisierenden Stammes festzusetzen.

Die Übergabe der Geiseln fand in der bergigen Schabwa-Region statt, rund 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Sanaa. Präsident Ali Abdullah Salih hatte die beiden Unterhändler - Oberstleutnant Asis Malfi und den Parlamentsabgeordneten Awad Muhammad al-Wasir - in die Schabwa-Region entsandt. Zuvor hatten einige der Entführer die am Vortag mit den Stammesführern ausgehandelten Bedingungen für die Freilassung nicht akzeptieren wollen. Mit den Chrobogs ließen die Kidnapper zwei jemenitische Fahrer und einen Reiseleiter frei. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil begrüßte die Freilassung und dankte Steinmeier.

Die Verhandlungen über die Freilassung hatten sich zur Nervenprobe entwickelt. Steinmeier hatte die Regierung in Sanaa dringend um eine schnelle und gewaltfreie Lösung gebeten. Er rechnete seit Donnerstag mit einer Freilassung noch vor dem Jahreswechsel. Der Ex-Staatssekretär und seine Familie wollten Silvester in einem großen Hotel in der Hafenstadt Aden verbringen. Der jemenitische Präsident wolle sich mit Chrobog in Aden treffen, teilte die jemenitische Botschaft mit.

Die Geiselnehmer sind Mitglieder des Stammes der Abdallah. Sie hatten die Freilassung von fünf Stammesangehörigen verlangt, die im Gefängnis sitzen. Als Kompromiss schlugen sie dann vor, dass fünf Mitglieder des rivalisierenden Stammes der Al-Riad ebenfalls inhaftiert werden, um einen fairen Prozess für beide Parteien zu gewährleisten.

Chrobog war in seiner Zeit im Auswärtigen Amt ein geschätzter Krisenmanager. Im Jahr 2003 hatte er monatelang um die Freilassung von 14 Sahara-Touristen, darunter neun Deutsche, verhandelt. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben