Entführung im Jemen : Geiseln nach Saudi-Arabien verschleppt?

Im Internet kursieren Hinweise auf ein Höhlensystem von Al Quaida in der Grenzregion zum Jemen. Werden dort die Geiseln versteckt?

Frank Jansen

Berlin - So nebulös das Geiseldrama im Jemen auch erscheinen mag, klar scheint doch zu sein, dass sich eine fünfköpfige Familie aus Sachsen und ein Brite in der Hand der Entführer befinden. Das deutsche Ehepaar Johannes und Sabine H. und seine drei kleinen Kinder im Alter zwischen elf Monaten und vier Jahren stammen nach unbestätigten Berichten aus dem Dorf Meschwitz im Landkreis Bautzen. Die Eltern leben nach unterschiedlichen Angaben seit drei bis sechs Jahren im Jemen, die Kinder wurden in Deutschland geboren. Johannes H. soll als Haustechniker in dem Krankenhaus in der nordjemenitischen Region Saada gearbeitet haben, seine Frau Sabine als Krankenschwester.

Unterdessen hat die Regierung im Jemen die Suche nach den Geiseln ausgeweitet und in der Provinz Saada mehrere Hubschrauber eingesetzt. In der Stadt Saada demonstrierten am Mittwoch hunderte Menschen und forderten die Festnahme der Kidnapper. Präsident Ali Abdullah Saleh setzte für Hinweise eine Belohnung in Höhe von 25.000 Dollar aus.

Möglicherweise haben die Entführer die Geiseln in das nahe Saudi-Arabien verschleppt. Entsprechende Vermutungen werden im Internet auf englischsprachigen Homepages angestellt, deren Autoren zum Teil schon länger islamistische Umtriebe beobachten. So heißt es in einem Bericht von Anfang Juni, die saudischen Sicherheitsbehörden hätten im Grenzgebiet zum Jemen ein Höhlensystem entdeckt, in dem Al-Qaida-Kämpfer Proviant gelagert haben sollen. Eine Höhle soll so eingerichtet gewesen sein, dass sie auch als eine Art Zelle für Gefangene hätte genutzt werden können. Auf den Homepages ist von weiteren Höhlen in der Bergregion entlang der saudischen Südwestgrenze zum Jemen die Rede. Spekuliert wird, die Entführer hätten die zwei deutschen Frauen und die Südkoreanerin erschossen, weil die Gruppe der Geiseln für die vorgesehene Höhle zu groß gewesen sei.

Das klingt abenteuerlich, doch auch deutsche und internationale Sicherheitsexperten vermuten, Anita G., Rita S. und Young-Sun I. seien getötet worden, weil die Entführer Probleme hatten, eine neunköpfige Gruppe von Geiseln durch das Gelände zu schleusen und unterzubringen. Es klinge „plausibel“, dass dann die beiden deutschen Frauen als Opfer ausgesucht wurden, weil die Entführer gewusst haben könnten, dass sie es mit strenggläubigen Christinnen zu tun hatten. Anita G. und Rita S. studierten an der „Bibelschule Brake“ im ostwestfälischen Lemgo. Der Verein wird in der evangelischen Landeskirche als „nahe am Fundamentalismus“ eingestuft.

Die Ermordung weiblicher Geiseln hatte Sicherheitsexperten überrascht, da die Tat nicht zum üblichen Aktionsmuster der denkbaren Geiselnehmer aus einem kriminellen oder islamistischen Spektrum passt. Rein kriminelle Entführer würden in der Regel überhaupt keine Geisel töten, „denn jede ist bares Geld wert“, sagte ein Experte. Auch bei islamistischen Geiselnehmern sei zu erwarten, dass zuerst Männer getötet werden. Experten verweisen zudem auf den Fall der im Februar 2007 im Irak verschleppten Hannelore und Sinan Krause, eine deutsche Mutter und ihren deutsch-irakischen Sohn. Die mutmaßlich dem Al-Qaida-Spektrum zuzurechnenden Entführer ließen Hannelore Krause im Juli 2007 frei, ihr Sohn blieb gefangen. Die deutschen Behörden gehen davon aus, dass Sinan Krause nicht mehr lebt.

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