Entführung in Ägypten : Verschollen im großen Sandmeer

Auf einer Wüstensafari sind in einer der einsamsten Regionen Ägyptens elf ausländische Urlauber verschleppt worden, darunter auch fünf Deutsche. Mit Geländewagen fuhren die Touristen durch die flirrende Hitze. Plötzlich stellten sich ihnen vermummte bewaffnete Männer in den Weg.

Anne-Beatrice Clasmann[dpa]
Entführung Ägypten
Einsame Wüste: Im Südwesten Ägyptens sind fünf deutsche Touristen verschleppt worden. -Foto: dpa

Kairo Die 19 Teilnehmer einer mehrtägigen Wüstensafari sind im äußersten Süden Ägyptens unterwegs, als ihnen die Entführer auflauern. Weder die Fahrer der vier Autos noch der von den Sicherheitskräften abgestellte bewaffnete "Begleiter", der während der Wüstentour durch Oberägypten für die Sicherheit der Ausländer sorgen sollte, können irgendetwas ausrichten.

Nur wenige Touristen verirren sich in den Südwestzipfel des Landes, wo es weder Pyramiden noch Pharaonengräber zu besichtigen gibt. Im Süden liegt die sudanesische Grenze, im Westen Libyen, und rundherum ist nur Sand. Abgesehen von ein paar Felszeichnungen kann man hier nur die Schönheit der Natur bestaunen.

Die ägyptischen Sicherheitskräfte trifft diese Entführung völlig unvorbereitet. Denn ihre Strategie zielte bisher darauf ab, Terroranschläge von Al-Qaida-Sympathisanten auf Touristenhotels am Roten Meer und an den großen Sehenswürdigkeiten in Kairo zu verhindern. Auch auf militante Islamisten, die entlang des Nils auf Touristen schießen oder auf dem Sinai israelische Urlauber entführen könnten, waren sie vorbereitet. "Hier stehen doch überall Polizisten, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es hier jemand wagen kann, Ausländer zu kidnappen", wundert sich ein mexikanischer Tourist in der oberägyptischen Stadt Assuan, nachdem er die Nachricht von der Entführung gehört hat.

Tourismusminister: Entführer sind "gewöhnliche Kriminelle"

Dass Kriminelle es wagen würden, mitten in der Wüste Urlauber zu verschleppen, um dann anschließend Lösegeldforderungen zu stellen, damit hatte die ägyptische Polizei nicht gerechnet. Denn in Oberägypten wird jeder Reisebus und jeder Geländewagen mit Ausländern an den zahlreichen Straßensperren kontrolliert und registriert. Wer als Ausländer mit seinem Privatfahrzeug unterwegs ist, bekommt meistens, ob er will oder nicht, einen Wagen mit bewaffneten Polizisten als Begleitung zugeteilt. In anderen nordafrikanischen Staaten hatte es schon mehrfach Entführungsfälle gegeben - sowohl von Extremisten als auch von Lösegelderpressern.

In Ägypten, dessen Tourismussektor erst unter den Islamisten-Attacken der 90er Jahre und dann unter den Folgen des Bombenterrors auf dem Sinai zu leiden hatte, ist es jedoch das erste Mal, dass jemand Ausländer in der Wüste verschleppt. Das dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass Tourismusminister Suheir Garana und die Sicherheitskräfte nach Bekanntwerden des Falles sofort klarstellen: "Die Entführer sind keine Terroristen, sondern gewöhnliche Kriminelle." Sie wollen verhindern, dass Touristen möglicherweise ihre Reise stornieren, weil sie denken, der islamistische Terror sei in Ägypten noch nicht gebannt.

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