Entführung in Afghanistan : Leiche der Taliban-Geisel wird in Köln obduziert

Gestern abend wurde der Leichnam des in Geiselhaft gestorbenen Bauingenieurs nach Deutschland überführt. Für seinen Kollegen bemüht sich die afghanische Regierung in zähen Verhandlungen um eine Freilassung. Die Taliban töteten einen der entführten Koreaner.

Berlin/Kabul/SeoulDer Leichnam des in der Geiselhaft in Afghanistan gestorbenen 44-jährigen Bauingenieurs soll heute in Köln obduziert werden. Für den mit ihm entführten deutschen Kollegen zeichnet sich auch mehr als eine Woche nach seiner Verschleppung keine Freilassung ab. Die Leiche des 44-Jährigen war gestern abend an Bord einer Bundeswehrmaschine nach Deutschland übergeführt worden. Der Ingenieur war vermutlich an den Strapazen der Geiselhaft gestorben. Allerdings wurden bei einer ersten Untersuchung des Leichnams in Kabul auch mehrere Schusswunden festgestellt. Unklar ist bislang, ob die Schüsse die Todesursache sind oder erst auf den Toten abgefeuert wurden. Der Mann litt an Diabetes.

Korrespondenten von ARD und ZDF berichteten am Mittwochabend von zähen Verhandlungen über eine mögliche Freilassung des Ingenieurs. Die Entführer würden mit der afghanischen Regierung verhandeln. Direkte Gespräche mit der Bundesregierung gebe es nicht. Der Geisel gehe es den Umständen entsprechend gut. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt bemüht sich weiter intensiv um die Freilassung des Mannes und steht nach Angaben von AA-Sprecher Martin Jäger in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung. Das Auswärtig Amt warnte alle Deutschen - auch Journalisten - dringend davor, nach Afghanistan zu fahren.

Gestern hatten widersprüchliche Meldungen über die Entführung eines Journalisten in Afghanistan erhebliche Verwirrung ausgelöst. Zunächst hieß es, der "Stern"-Reporter Christoph Reuter sei von radikalislamischen Taliban entführt worden, was sich aber im Tagesverlauf als falsch herausstellte. Ein dänischer Journalist afghanischer Abstammung, der im Osten Afghanistans von Rebellen kurzzeitig festgehalten wurde, ist nach Angaben des Kopenhagener Außenministeriums frei und wohlauf.

Taliban töten einen Koreaner

Die Regierung in Seoul bestätigte unterdessen, dass eine der 23 südkoreanischen Geiseln in Afghanistan von ihren Entführern getötet wurde. Südkorea verurteile die "Brutalität, mit der ein unschuldiger Zivilist getötet wurde", hieß es in einer Erklärung des Präsidialamts. Die Ermordung einer unschuldigen Person könne unter keinen Umständen toleriert werden. Nach Angaben afghanischer Behörden wurde die Leiche einer der Geiseln am Mittwoch im Bezirk Kara Bagh gefunden. Aus Angst vor einem Militärschlag haben die Entführer nach Informationen eines ARD-Korrespondenten ihre Geiseln in drei Gruppen aufgeteilt. Der Leichnam weise Schusswunden auf. Die Regierung in Seoul wollte Berichte nicht bestätigen, wonach die radikal-islamischen Taliban acht ihrer Geiseln freigelassen hätten. Die 23 Südkoreaner wurden vor einer Woche in der südlichen Provinz Ghasni entführt. (mit dpa)

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